Theater

Späte Sühne


Auf Oberrain kämpfen sie um ein besseres Dasein wie gegen Windmühlen. Was Norbert Weißkopf mit Nana nicht schaffen konnte, der Sohn Sepp will es zwingen. Er werkt und werkt - doch das von den El- tern einst verschuldete Unheil, das sie selbst und ihre Ehe zermürbte, wirkt sofort. Die Kinder wissen nichts davon, aber es zeichnet auch ihr Leben. Sepp wird wortkarg und bitter. Notburg, die in die Stadt ge- gangen war, als der schlechte Ruf des Hofes ihr Jörg, den Bräutigam, nahm, kehrt unglücklich heim. Der blinde Gottfried, glücklich zwar in seinen Gesichten, ist wie eine stille Anklage. Einen Mitwisser hat das Bauernpaar von Oberrain. den Geierkopf Anderl, vom stolzen Mädchen Nanna einst zum Tanzen mit- genommen, um Norbert zu einem Heiratsentschluß zu drängen. Wie ein Aasgeier belauert er den Unter- gang Nannas und Norberts, macht der Tochter Not- burg Andeutungen über die Gründe allen Unglücks auf Oberrain und bringt es mit geradezu teuflischem Geschick fertig, die von Schuld und Schicksal Ge- schlagenen immer tiefer zu reißen. Da ist freilich auch die alte Ursl, Magd seit zwei Geschlechtern auf Oberrain.- gütig, weise, voll stillen Humors - doch was
sie auch unternimmt, die Unheilskette fügt Glied an Glied. Sie scheint erst zu Ende, als Jörg am Kirch- weihtag um seine verlassene Notburg wirbt. Das läßt alle hoffen; selbst der fast gestürzte, einst kraftvolle Vater Norbert lebt wieder auf, man feiert, und Ka- thrin, die jüngste Tochter, versucht gar mit ihrem blinden Bruder zu tanzen. Plötzlich steht aber wieder der Geierkopf Anderl irn Raum, falsch-freundlich wie immer. Sie sind alle wie erstarrt, denn heute, das spüren sie, wird er einen Trumpf ausspielen - und der Geierkopf tut es, mitleidlos, tödlich. Er sagt aus, wie Norbert seine erste Braut wegen Nanna ins Verderben gehen ließ, wie sie diesem Mädchen gegenüber durch Verleumdung schuldig wurde. Doppelte Schuld, ge- genseitig uneingestandene Lügen begleiteten, quälten und zermürbten die einst Kraftvollen und Stolzen. Norbert erhebt sich nicht mehr. Spät sühnt er und den Seinen wird endlich der Weg zum Guten frei.


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