Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Solo X: Olena Newkryta


Olena Newkryta sucht in ihren Foto- und Videoarbeiten die „Realität“ der Welt nicht in ihren Abbildern, sondern in der Diskrepanz zwischen Anwesenheit und Abwesenheit.

Sie beschäftigt sich mit Momenten der Nähe und des Verschwindens und übersetzt diese in abstrakte Bilder. Ein wiederkehrendes Motiv ist die Spur: als materialisierter Kontakt des Lichts mit dem Fotomaterial ebenso wie als Abdruck eines Körpers. Die Idee der Berührung verbindet auch die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Für die Fotoserie to grasp. carnal thoughts tastete die Künstlerin ihr Bett mit einem Handscanner ab. Die fragmentierten Abbilder von körperlichen Abdrücken in Leintüchern und Kissen setzte sie anschließend digital zusammen – bruchstückhafte Erinnerungen an den Körper, der die Form erzeugt hat. Vom direkten Kontakt mit dem fotografischen Material zeugt die Serie one month on skin.

Dafür bat Newkryta FreundInnen, ein entwickeltes, unbelichtetes Negativ für die Zeit eines Monats am Körper zu tragen. Bewegungen und körperliche Reaktionen schrieben sich so in das Material ein. Als Abzug des Negativs ist die Arbeit sowohl ein intimes Porträt wie auch Ergebnis eines gemeinschaftlichen Akts. In anderen Werken macht Newkryta RezipientInnen der Ausstellung zum Teil ihrer Arbeiten (wie in der Installation denn erst das gesehene Bild ist in Wahrheit ganz Bild geworden) oder thematisiert den Akt des Herstellens selbst. sewing screens, eine dreiteilige Videoprojektion, zeigt die Hände der Künstlerin, wie sie Stoffbahnen über eine Nähmaschine bewegen: Sie stellen die Leinwand her, auf die die Videos projiziert werden. Projektionsfläche und Video bestehen nur gleichzeitig; das eine existiert nicht ohne das andere. In ihrer neusten Installation verhandelt die Künstlerin den Umgang mit Bildern in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten und bezieht sich auf die Verehrung von Ikonen in orthodoxen Kirchen durch Berührungen. Durch die Abstraktion in ihrer Übersetzung verweist Newkryta auf die Wertigkeit, die wir Bildern zusprechen.
Mittels der Darstellung von Berührungen, Spuren und Einschreibungen zeugen Newkrytas Arbeiten von Spannungsverhältnissen zwischen Präsenz und Repräsentation und implizieren dabei auch politische Aspekte. Subtil werfen ihre Werke Fragen danach auf, wer Sichtbarkeit erhält, wer repräsentiert und dadurch letztlich Teil eines kollektiven Gefüges ist. Produktion und Umgang mit Bildern werden so als soziale Praktiken lesbar, die gesellschaftliche Funktionen erfüllen und dadurch auch Verhältnisse in der Welt (re)produzieren.

Juliane Bischoff und Petra Noll, im Namen des Kollektivs


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