Pop / Rock

Sohn


Der in London geborene Multiinstrumentalist und Producer hat vor kurzem seine Wahlheimat Wien gegen die Wärme von Los Angeles getauscht.

Zumindest im Titel seines aktuellen, zweiten Albums "Rennen" hallt der Einfluss seiner früheren Wirkungsstätte noch nach. So intensiv allerdings war die Seelenmusik des sensiblen Soundästheten mit der hellen Stimme noch nie. Bewusst beschränkt sich Sohn bei jedem Track auf eine Handvoll musikalischer Elemente, um die Vocals, Melodien und Rhythmen in konzentrierter Form zum Strahlen zu bringen.

Seit 2013 erweitert Toph Taylor aka Sohn das gut bevölkerte Post-Dubstep-Universum um einen leuchtenden Stern. Gesignt vom hochdekorierten Londoner Label 4AD und mit prestigeträchtigen Remixen für Lana Del Ray, Disclosure, The Weeknd oder Rhye beauftragt, hebt er allzu enge Genrebeschränkungen auf und entwickelt in langen Studionachtschichten seine eigene Definition von R'n'B.

Ob bei der Debüt-EP "The Wheel", bei den beiden Alben "Tremors" und "Rennen" oder der brandneuen Doppel-Single "Hue/Nil" - ein wesentlicher Charakterzug durchzieht Sohns Veröffentlichungen: Er interessiert sich sehr für Sprache und Verslehre, er baut den Song um die Texte und nutzt seine exzellenten Produktionsskills, um der Darbietung Substanz zu verleihen.

Apropos "Rennen": Gerannt ist Sohn die letzten Jahre praktisch nonstop. Er tourte um die Welt, nahm jeden Produktionsauftrag anderer Künstler an, wie z.B. Banks, SZA oder Kwabs, und war am Ende ausgelaugt, physisch wie emotional. Um Luft zu holen und die Schreibblockade zu überwinden, zog er sich ins nördliche Kalifornien zurück. Sohn machte einen Pakt mit sich selbst, er beschloss sämtliche Selbstzweifel beiseite zu wischen und sich bei den neuen Songs keinerlei Verbote aufzuerlegen.

Das Resultat sind die wohl aufregendsten Songs seiner Karriere. Der Album Opener "Hard Liquor" ist dafür das perfekte Beispiel. Sohn setzt hier die düster drückende Seite seines R'n'B-Entwurfs raffiniert in Szene, wie es noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. So gesehen klingt "Rennen" wie der Startschuss in ein neues Leben. Jetzt holt Sohn sein ursprünglich für vergangenen Herbst geplantes Linz-Konzert nach. Es wird wieder gerannt.


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