Oper · Theater

Sisifos. Sieben Wiederholungen


7 Ausschnitte aus der Weltgeschichte zeigen den Menschen Sisifos, der sich immer erneut in die Schlacht stürzt und sich damit der Selbstzerstörung und Vernichtung seiner Lebensgrundlage unterwirft, ohne daraus lernen zu können.

Musik. Bernhard Lang
Text und Inszenierung. Kristine Tornquist
Schauspieler. Klaus Rohrmoser. Rudolf Widerhofer
Musikalische Leitung. François-Pierre Descamps
Bühne. Cornelius Burkert
Kostüm. Markus Kuscher
Produktion. sirene Operntheater / Jury Everhartz

Spätestens seit der römischen Antike wird die Figur des Sisifos vor allem über seine Strafe rezipiert: Die Metapher des immer wieder hinabrollenden Steins ist ein weithin bekanntes Bild für die Sinnlosigkeit, die Wiederholung des Immergleichen geworden.
Ob die ewige Wiederholung nun tatsächlich identisch mit der Sinnlosigkeit sei, haben seither Philosophen aller Zeiten zu fragen versucht. Seit dem 20. Jahrhundert gibt es einen Konsens, die Wiederholung als Metapher des tätigen Lebens überhaupt zu begreifen.

Die grausamste Wiederholung der Weltgeschichte ist die ewige Wiederkehr des Krieges. Historiker schätzen vorsichtig 14.400 Kriege im Lauf der ihnen bekannten Weltgeschichte, in denen etwa ein Dreißigstel der bisherigen Menschenleben ein gewaltsames Ende fand. Noch konnte sich die Wissenschaft nicht auf die Gründe und das Wesen der eskalierenden Aggression des Menschen einigen, die Auswirkungen aber sind wesentlicher Teil seiner Geschichte.

7 Ausschnitte aus der Weltgeschichte zeigen den Menschen Sisifos, der sich immer erneut in die Schlacht stürzt und sich damit der Selbstzerstörung und Vernichtung seiner Lebensgrundlage unterwirft, ohne daraus lernen zu können. Ein Chorensemble verkörpert die von Sisifos gerufenen Krieger - vom Ritter des Spätmittelalters, dem Landknecht im Dreißigjährigen Krieg, über Preußische Zucht im Siebenjährigen Krieg, die Euphoriker des Ersten Weltkrieges, die endgültige moralische Verwahrlosung des Zweiten Weltkrieges bis zu den nicht mehr Staaten und Uniformen zuordenbare moderne Terror-Truppen wie dem IS. Der Krieg der Fürsten, der professionelle Krieg, der Krieg der Massenmobilisierung und der Guerillakrieg - dies sind nur unterschiedliche Durchläufe des doch immergleichen Ablaufs: Sisifos stürzt sich in den Krieg und kommt darin um.

Allein die Reflexion über sein Tun könnte ihn vor dem immer wiederholten Absturz bewahren. Gerade an einem Ort des Wissens und der Erfahrung möchte man darüber verzweifeln, wie schwer es dem Menschen fällt, dazuzulernen.

Bernhard Lang hat die wütende Kraft dieser schrecklichen Wiederholung in eine Musik für 12-stimmigen Chor geschrieben. 7 Male vertonte er dieselbe Passage aus Homers Odyssee, in der knapp und lakonisch Sisifos' Bestrafung durch Hoffen und Scheitern beschrieben wird. In der Wiederholung gewinnt jedoch das Detail an Bedeutung: Das Selbe ist nicht das Gleiche und jeder Versuch sucht sein Ziel auf einem neuem Weg. Jeweils 7 Minuten dauern seine Chorvariationen "Sisyphos I-VII". Francois-Pierre Descamps dirigiert das 60-köpfige ensemble sirene.


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