Theater

Sinfonie des sonnigen Tages


Sinfonie des sonnigen Tages folgt dem traditionellen Aufbau einer Sinfonie in vier Sätzen. Die Handlung findet am Meer statt, einer Naturgewalt mit unendlich scheinender Tiefe, der markanten und gnadenlosen Trennung zweier Kontinente, die man gemeinhin mit Erster und Dritter Welt konnotiert.

Auf der einen, der europäischen Seite, herrscht radikaler Stillstand: Ein urlaubendes Paar kämpft um den Fortbestand seiner Beziehung. Auf der anderen, der afrikanischen Seite, rasante Bewegung: Eine Frau kämpft um den Fortbestand ihrer nackten Existenz. Beide Kämpfe werden erfolglos ausgetragen, nur einer davon wird tödliche Folgen haben. Während das Paar sich in endlosen Vorwürfen aufreibt, sein gemeinsames Leben also schon vom Ende aus betrachtet werden muss, steht die junge Frau am Anfang eines ungewissen neuen Lebens. Stagnation trifft auf Raserei – und Verzweiflung auf Gleichgültigkeit.

Wie soll und kann man noch eine sinnstiftende, erfüllte Existenz führen angesichts globaler Desaster? Wie das eigene saturierte Leben ertragen können im Wissen um das Elend der Welt? Anja Hillings Stück ist weder Ehe- noch Flüchtlingsdrama, vielmehr ein Rausch der Körper, Töne, Materialien, eine Widerrede im Angesicht des Universums.

Diesem Exzess des Schmerzes verschaffen die deutschen Elektro-Avantgardisten Mouse on Mars eine polyrhythmisch pulsierende Klanggrundlage, in der – wie in der klassischen Form des musikalischen Melodrams – der Text nicht gesungen, sondern kompositorisch immer wieder kommentiert, überlagert, konterkariert wird.

Von Anja Hilling
Regie: Felicitas Brucker
Komposition: Mouse on Mars

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