Jazz · Diverse Musik

Sinatra Tribute


Am 12. Dezember feiern Musikfreunde auf der ganzen Welt 100 Jahre Frank Sinatra. In den Vierzigerjahren war er ein Teenageridol, wie es die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte.

Kein Wunder! Der junge Mann, aus dem gänzlich unglamourösen Hoboken, konnte genauso gut swingen wie schmachten. Frank Sinatra war der Chairman Of The Board der überlebensgroßen Emotionen.

Als Sänger war er ein unerreichter Stilist, der sämtliche Varianten menschlichen Schmerzes präzise umsetzte. Vom Renegaten, der seine Hüte in abenteuerlichen Winkeln trug und der Nachkriegsjugend demonstrierte, dass es ein Leben vor dem Tod geben kann, bis hin zu jenen Jahren, in denen er unantastbarer Meister der Interpretationskunst war. Mal begleitet von der Big Band eines Count Basie, dann wieder orchestral umschmeichelt von den Orchestern Nelson Riddle oder Gordon Jenkins.

Der liberal denkende, radikale Individualist Sinatra verachtete Konformismus und Kommerzdenken. Tragisch, dass er wegen seiner Beliebtheit beim Establishment in seinen letzten Jahren als Symbolfigur des Geldadels missinterpretiert wurde.

Künstlerisch war Sinatra stets außerordentlich qualitätsbewusst. Umso mehr muss ein Projekt, das ein „Tribute to Frank Sinatra“ sein will, diesen Anspruch mittragen. Ein Höchstmaß an Seriosität ist garantiert, wenn ein Opernstar wie Thomas Quasthoff dieses titanische Unterfangen wagt.

Man kann gespannt sein, was Quasthoff, der in jüngerer Vergangenheit bewies, dass er sowohl Jazz wie auch anspruchsvollen Pop sehr beseelt singen kann, aus dem großen Repertoire von Frank Sinatra auswählen wird. Begleitet wird er dabei vom grandiosen Pianisten Frank Chastenier sowie dem Orchester der Vereinigten Bühnen Wien. Seine ganz eigene Lesart, des mit Sinatra assoziierten Liedguts, wird am gleichen Abend der heimische Crooner Louie Austen präsentieren.

Die österreichische Mezzo-Sopranistin Angelika Kirchschlager gehört international zu den herausragenden Sängerinnen ihres Fachs. Seit Jahren singt die gebürtige Salzburgerin an den grossen Opern- und Konzerthäusern der Welt und stellt dabei immer wieder ihre grosse stimmliche Vielfalt, ihre einfühlsame Interpretationsfähigkeit, aber auch ihre Wandelbarkeit eindrucksvoll unter Beweis.

Allan Harris, aufgewachsen in Harlem, New York, ist ein äußerst beseelter Bariton und ein formidabler Gitarrist, der Jazz, Soul, Blues und sogar Country beherrscht. Als leicht heiserer Sänger, der die Jazztradition in der Nachfolge von Nat King Cole bis ins letzte Detail beherrscht, aber auch den Soul der Siebzigerjahre singen kann, war er in den Neunzigerjahren schon mal in neotraditionalistischen Kreisen recht bekannt.

Mit seinem Konzeptalbum „Cross That River“, das die Lebensgeschichte eines Sklaven im 19. Jahrhundert nacherzählt, glückte ihm 2006 ein Coup. Viele Schulen in den USA interessieren sich seither dafür. Es gibt auch theatrale Aufführungen, die zeigen, wie sich dieser Sklave zum Cowboy hocharbeitet.

Aufsehenerregend war auch seine Zusammenarbeit mit dem Pianisten Takana Miyamoto, mit dem er 2012 das heute als Klassiker geltende Duo-Album von Tony Bennett und Bill Evans aus dem Jahre 1975 auf ganz eigene Art interpretierte. Auch das im Vorjahr unter der Regie des für seine Zusammenarbeit mit Terry Callier und Gregory Porter bekannten Produzenten Brian Bacchus entstandene „Black Bar Jukebox“ war erneut ein Geniestreich. Diesmal fokussierte Harris den hintersinnigen Groove, den einst Musiker wie Les McCann berühmt machten. Erdigkeit und eine entschlossene Hinwendung zur Melodie zeichnen eine Liedersammlung aus, die nur eigene Kompositionen und Black Music Standards einschließen.

Harris interpretiert auch sehr glaubwürdig Lieder von Elton John und John Mayer. Selbst so oft gehörte Standards wie „My Funny Valentine“ vermochte Harris neue Aspekte abzugewinnen. Tony Bennett nennt Alan Harris seinen Lieblingssänger.

Orchester der Vereinigten Bühnen Wien

Das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bühnen-Jubiläum! Schon die Entstehungsgeschichte ist der beste Beweis für seine musikalische Vielfalt: 1965 engagiert das Theater an der Wien unter der Direktion von Rolf Kutschera die Big Band „Orchester Johannes Fehring“ und bestellt den bekannten Geigenvirtuosen Toni Stricker zum Konzertmeister. Neben Musicalerfolgen bleiben Big Band Auftritte, Filmmusik – und LP Einspielungen wesentliche Säulen des Klangkörpers, Fernsehproduktionen festigten den Ruf als erstklassiges Unterhaltungs- und Showorchester.

1987 wird durch die Zusammenführung der drei Theater „Theater an der Wien”, „Raimundtheater“ und Eatablissement Ronacher“ ein neuer, großer Klangkörper gegründet: Klassische Streicher und Musiker aus den Bereichen Pop und Jazz lassen ein einzigartiges Ensemble entstehen – das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien. Es besteht heute aus 84 InstrumentalistInnen verschiedenster Genres, die sich während der vergangenen Jahrzehnte zu einem einheitlichen und vielbeachteten Klangkörper entwickelt haben.

Das Aufgabengebiet des Orchesters umfasst allabendliche, erstklassige Aufführungen der Musicals in den Theatern der Vereinigten Bühnen Wiens, bei zahlreichen Konzertauftritten in Wien und bei internationalen Festivals begleitet das Orchester Persönlichkeiten wie Thomas Hampson, Katia & Marielle Labeque, Rolando Villazón, Martha Eggerth, Johan Botha, Julian Lloyd Webber, Bo Skovhus, Angelika Kirchschlager, Alexandru Badea und Barbara Daniels; Leonard Bernsteins „Candide“ wurde in Europa erstmals vom Orchester der Vereinigten Bühnen Wien aufgeführt. Im Jazz – und Bigbandbereich profiliert sich der Klangkörper durch Auftritte mit internationalen Jazzgrößen wie Joe Zawinul, Toots Thielemans, Ray Charles, Dave Brubeck und Bill Russo.

Der 1978 in Minneapolis geborene José James zählt zu den sublimsten Sängern der Gegenwart. Aufgewachsen mit gut durchgemischten Sounds fokussierte er sich, nachdem er nach New York City übersiedelte, auf klassischen Jazz.

Er besuchte die New School For Jazz And Contemporary Music, die Feinheiten aber lernte er im Clubleben. Der britische DJ Gilles Peterson war sofort so von ihm angetan, dass er ihm einen Plattenvertrag auf seinem Brownswood Label anbot. Dort kam 2008 sein Debütalbum „The Dreamer“ heraus.

José James wurde rasch zum Undergroundphänomen. Egal ob er mit Flying Lotus oder mit McCoy Tyner auftrat, er war jedes Mal ein Act der Sonderklasse. Zu seiner Magie zählt, dass sie gleichzeitig die goldene Ära der Siebzigerjahre, wie die avancierte heutige Weltspitze gleichermaßen reflektiert.

2013 wechselte er zum renommierten Blue Note Label. Auch hier fusioniert er auf zarteste Weise Jazz und R&B, Hiphop und Elektronik. Seine musikalischen Komplizen sind nun Kollegen wie Pino Palladino, Pianist Robert Glasper und Keyboarder Amp Fiddler.

Sein Album „No Beginning, No End“ reflektierte den sanften Sound der späten Sechziger/frühen Siebziger. Es gemahnte an Roberta Flack, Donny Hathaway und Marvin Gaye. Der Nachfolger „While You Were Sleeping“ überraschte mit rockigeren Klängen.

„Yesterday I Had The Blues“, sein neues Opus überrascht nun mit einer innigen Hommage an Billie Holiday, die er als seine „musical mother“ bezeichnet. Am Klavier saß kein Geringerer als Jason Moran.

José James verzärtelt neun Klassiker von „God Bless The Child“ bis „What A Little Moonlight Can Do“. Auch den grimmigen Bürgerrechtssong „Strange Fruit“ sparte er nicht aus. Es wurde die würdigste Coverversion dieses einst von Lady Day mutig etablierten musikalisierten Empörungsschreis. Ähnlich unter die Haut geht dieses Lied, wenn sich José James seiner annimmt.

line up:
José James – vocals/guitar
Solomon Dorsey – bass
Leo Genovese – keys
Nate Smith – drums


Vergangene Termine