Kunstausstellung

Siegfried Anzinger - Bozzetti und Bronzen


Das Zusammenspiel der Figuren aus Terrakotta und Bronze zeigt den Umgang Anzingers mit verschiedenen Materialien und sein bewusstes Verarbeiten ihrer stofflichen Eigenschaften.

So wird bei den Terrakottaskulpturen das Vermögen Anzingers mit diesen Materialien direkt zu arbeiten und zu interagieren klar. Die direkte Übersetzung formaler Empfindung in die zu bearbeitenden Stoffe bleibt als visuelle Erfahrung in den Terrakotten erhalten.

Diese Spontaneität des Bearbeitens und Gestaltens von Terrakotta weicht bei den Modellen für die Bronze einer anderen Vorgangsweise. Die Arbeitsschritte vom Formen, Trocknen und Bemalen der Bozzetti setzt bei den Bronzen einen anderen Zugang voraus. Rücksichtnahme auf die physische schwere Arbeit des Gussvorgangs wird ersichtlich. Jedoch bedeutet dies vor diesem Hintergrund keinen zwingenden Bezug zum Material, in dem dessen Eigenschaften herausgearbeitet und dargestellt werden, sondern auch den optischen Entzug der klassischen Eigenschaften von Materialität und Erscheinung. So wirkt die Bronze bei Anzingers Skulpturen nicht in ihrer statischen und unveränderten Masse, vielmehr tragen seine Bronzen eine Leichtigkeit in sich und zeigen dennoch die physische Arbeit, die Gefahr und das Feuer und die Hitze, welche mit deren Produktion einhergehen. Die Plastiken transzendieren damit eine klassische Eigenschaft der Skulptur. Der Anspruch auf Abgeschlossenheit, welche Figurationen seit der Antike, nicht zuletzt wegen des vorwiegend verwendeten Marmors ausstrahlten, wird im Schaffen Anzingers durch einen über die reine Form hinausweisenden Charakter verneint.

Der Künstler weist Skulpturen einen neuen Weg. Durch das vordergründig unfertig erscheinende Motiv wird bei näherer Betrachtung der Figuren eine neue Ebene eröffnet. Die geschaffenen Werkstücke erhalten eine zeitliche Dimension. Anzinger weist in seiner Plastik über den gegebenen Status quo der Skulptur hinaus und zeigt mögliche Alteritäten. Damit schließt sich der Kreis zu Anzingers grafischem Werk. Die Plastiken sind Formgebung und Narrative auf der dünnen Linie zwischen Profanem und Sakralem, um deren Brüchigkeit Anzingers gesamter Werkcorpus kreist.

Siegfried Anzinger, geboren 1953 in Weyer an der Enns, 1971 - 1976 Akademie der Bildenden Künste Wien, 1985 Oskar-Kokoschka-Preis, 1990 Preis der Stadt Wien, 2005 Großer Österreichischer Staatspreis, seit 1997 Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, lebt und arbeitet in Köln. Wichtige Ausstellungen: 1982 Zeitgeist Martin-Gropius-Bau Berlin, 1983 New Acquisition Guggenheim Museum New York, 1985 Museum für Gegenwartskunst Basel, 1987 Documenta 7 Kassel, 1988 Biennale Venedig Österreichischer Pavillion, 1991 Sensualité, Sensibilité, Purisme. Aspects de l'art autrichien depuis 1980 Couvent des Cordeliers Paris, 1992 Wien: Expressionistische Tendenzen nach 1945 Salford Museum and Art Gallery Manchester, 1996 Aquarelle Kunstmuseum Basel, 1996 Kunststation Sankt Peter Köln, 1998 Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 2000 Kunsthalle Bielefeld, 2001 Museum Küppersmühle Sammlung Grohte Duisburg, 2002 Anzinger/Lebschik Essl Museum Klosterneuburg, 2004 Werke auf Papier/Works on Paper ( 2001-2004) Albertina Wien, 2005 Werke auf Papier/Works on Paper (2001-2004) Gemeente Museum Den Haag, 2006 Frauen in den Bäumen. Malerei und Werke auf Papier 2004-2006 Kunstmuseum Mühlheim an der Ruhr, 2010 Lentos Kunstmuseum Linz, 2011 Bilder 2011 Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis Bregenz, 2012 Knockin’s on Heaven’s Door Kunstverein Heilbronn, 2014 Bank Austria Kunstforum Wien;


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