Pop / Rock

Shy / Florian Horwarth


Die Pop-Freischwimmer aus Linz mit ihrem achten Album Da kann das Album hundertmal „Zwei“ heißen: Wenn eine Band sieben Jahre zwischen letzter und neuer Platte verstreichen lässt, fängt sie bei null wieder an. Im Fall von Shy ist das sogar erwünscht. Die bewährte Formel des Musikmachens war der mit Indiepop groß gewordenen Band aus Linz nämlich längst nicht mehr genug. Also wurde umgemodelt, umformiert und ausprobiert.

Mit Phil Sicko übernahm in der Folge ein Rocker den Bass, Stefan Messner koppelte introvertiert seinen Apple an, die Gitarrenfront wurde um Armin Lehner erweitert – in Verbindung mit dem verbliebenen Stammpersonal (Andreas Kump, Peter Lang, Hans Riener) ergibt das nun ein gut aufgelegtes Sextett und acht neue Shy-Songs.

In sich eindeutig, driften die Stücke auf „Zwei“ in Summe manchmal auseinander. Durchaus gewollt. Das Experiment Shy ist für die Akteure noch lange nicht abgeschlossen. Wie bei guten Autoren-DJs, als die ja Lang und Riener regelmäßig in Lokalen auflegen, fügen sich Nummern aneinander, die in unterschiedliche Stimmungsrichtungen tendieren.

Zusammengehalten werden sie von den Titeln und Texten. Dem stetigen Kreisen um die Zahl zwei. Es ist nicht zu überhören: Sänger Andreas Kump hat zu lange in den Spiegel geguckt. Gleich in mehreren Songs („Spiegelbild“, „Bruder“) stellt er uns und sich die Frage, wer zum Teufel ihm da nun eigentlich entgegen schaut? Ich ist ein anderer? Ja und nein. Gelebter Dualismus, sozusagen. Aber wer im „Zwielicht“ geboren ist, wie Kump im gleichnamigen Song bekennt, der darf sich in der Mitte des Lebens schon fragen, wie und wo denn nun die zweite Hälfte verlaufen wird („Manchmal“, „Die Tage hatten Namen“).

Eine Weisheit auf „Zwei“ lautet: „Nicht alles, was verschwindet, geht weg“. Darum klingt die mit Verwandlung und dem Das-bin-nicht-ich spielende Nummer „Tiere“ wie der beste Shy-Song, den die Band in ihrer früheren Phase nie geschrieben hat. Heißt für bereits Eingeweihte, alte Stärken dürfen durchaus durchschlagen, wenn sie so mitreißend daherkommen. Zum Abschluss gibt es dann ohnehin noch einen klassischen Pop-Refrain, der der Band bei aller Arbeit an sich selbst offenbar durchgerutscht ist: „1+1=11“.
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