Vortrag

Jens Misera - Selbstschutz gegen asoziale Gewalt


Als sozial agierender Mensch Gewalt bewusst trainieren – ist das ethisch vertretbar? Jens Misera beantwortet diese Frage mit einem Ja. Mit einem Ja in Bezug auf sexuelle Gewalt, zunehmende Radikalisierung sowie gehäufte Terrorakte inmitten der Zivilgesellschaft.

Und: Unter der Voraussetzung, dass das Erlernte ausschließlich für Situationen extremer Gewalt, in denen keinerlei Kommunikation mehr möglich ist und das Gegenüber nur noch zerstörerisch agiert, gedacht ist. Am 20./21. Jänner startet der deutsche Sicherheitsexperte mit internationaler Erfahrung in verschiedenen europäischen Ländern und Israel sein Zielpunkttraining für 2018 in Wien. Weitere Seminare finden am 3./4. März, 21./22. April und 9./10. Juni statt. „Ich lehre keine Techniken. Diese müssen lange trainiert werden und sind zudem nur in spezifischen Situationen anwendbar, sondern allgemeine anatomische und physikalische Gesetzmäßigkeiten.“

Nachsatz: „Glücklicherweise ist es in unseren Breiten vergleichsweise noch immer unwahrscheinlich, dass man jemals in eine extreme Gewaltsituation kommt. Aber auch wenn man es nie brauchen sollte, führt das Wissen darum, wie man dann agiert, zu weniger Angst im Alltag.“

Zerstörerische Kraft
In Kleingruppen unterrichtet Jens Misera Erwachsene ab 18 Jahren in den anatomischen Besonderheiten einzelner körperlicher Zielpunkte (besonders verletzliche Stellen) und übt mit ihnen, wie diese Zielpunkte unter Anwendung des eigenen Körpers beim Gegner zerstört werden können. „Wer Gewaltverbrecher analysiert, sieht schnell, warum diese meist siegreich sind. Und dass, obwohl sie im Regelfall untrainiert und oft auch weder größer noch stärker als ihre Opfer sind. Sie sind einfach mit Gewalt vertraut und üben diese bedingungslos und daher unübertroffen effektiv aus. Menschen, denen es nie in den Sinn kommen würde, einen anderen Menschen zu verletzten oder gar zu zerstören, stehen solchen Situationen hilflos gegenüber, sie begeben sich automatisch in die Opferrolle, versuchen, sich zu verteidigen. Sie müssen aber Täter werden. Sozialkompetenz ist außer Kraft gesetzt, wenn der Angreifer entschieden hat, dass statt sozialer nur noch physikalische Regeln gelten.“

Keine Kommunikation
Während der praktischen Übungen findet keine Kommunikation statt – dazu zählen auch Lächeln, Zuzwinkern, einander Aufhelfen. „Wir trainieren für Situationen, in denen Kommunikation versagt hat, in denen keine soziale Interaktion mehr stattfindet, sondern nur noch Gewalt. In Konfliktsituationen, bei Raufereien oder auf eine überfallsartige Geldforderung kann ich in der Regel reagieren, indem ich besänftige, mich zurückziehe oder das Gewünschte hergebe. Das sind soziale Situationen, in denen entsprechende Lösungsansätze angebracht und erfolgversprechend sind. Blinde Zerstörungswut lässt sich durch soziale Interaktion nicht aufhalten.“

In Zeitlupe
Die Übungen laufen zudem in Zeitlupentempo ab. Derart erkennen Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fehler sofort und korrigieren sie, statt sich fehlerhaftes Verhalten anzueignen. So ist Vorsorge getroffen, dass im Ernstfall, wenn alles schnell abläuft und daher unvermeidbar Fehler passieren, dennoch ein effektives Ergebnis zustande kommt.

Reaktionen modellieren
Die Aufgabe des Trainingspartners besteht nicht darin, Angriffe zu simulieren, sondern Reaktionen – zu erwartende Reflexe auf spezifische Verletzungen – modellhaft zu zeigen. So prägt sich die oder der aktiv Trainierende zu den eigenen Bewegungsabläufen auch das Ergebnis ein, welches die jeweils eigene Aktion bewirkt. Im Extremfall ist so die Reaktion bereits vertraut und sogar vorhersehbar, das Erschrecken über die eigene zerstörerische Effektivität gemindert. Zusätzlich ist unmittelbar erkennbar, ob die eigene Aktion funktioniert hat. Im Training ist durch die verminderte Geschwindigkeit Verletzungsgefahr nahezu auszuschließen.

Ausführlicher Theorie-Teil
Den praktischen Übungen vorangestellt ist ein ausführlicher Theorie-Teil. Fragen wie „Was ist Gewalt und wie unterscheidet sie sich von sozialer Aggression?“, „Wie kann sinnvoller Selbstschutz aussehen?“ beziehungsweise „Wie ist die Rechtslage bezüglich Notwehr?“ werden ausführlich thematisiert und diskutiert.

Kein Wohlfühlprogramm
Spektakuläre Trainingskämpfe bleiben bei dieser Art von Training aus. „Dieses Training ist kein Wohlfühlprogramm. Das übliche Selbstverteidigungstraining ist ein sozialer Event. Man trifft sich jede Woche, es macht Spaß, es hält oder macht fit. Mein Training ist für sozial kompetente Menschen unangenehm, es macht keinen Spaß und eignet sich nicht für Smalltalk. Wenn Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber tatsächlich einmal in eine Extremsituation geraten, in der sonst nichts hilft, dann sind sie gerüstet“, ist Jens Misera überzeugt.

Erhöhte Sensibilität
„Gewalt zu kennen und zu können heißt freilich nicht, sie zu mögen und gutzuheißen“, gibt Jens Misera zu bedenken. Und: „Kein Training der Welt kann uns widerstandsfähiger gegen Gewalteinwirkung machen. Jeder, der von Selbstverteidigung spricht, ohne sich dessen bewusst zu sein, gibt sich einer gefährlichen Illusion hin. Das Erkennen der Zerbrechlichkeit eines menschlichen Körpers in meinen Seminaren führt daher ganz automatisch und gewissermaßen nebenbei zur Erkenntnis: Jede körperliche Auseinandersetzung ist ernsthaft und mit hohem Risiko verbunden. Die Moral aus der Geschichte: auch im täglichen Leben alles zu tun, um Gewalt zu vermeiden.“

Service: Jedes Seminar beinhaltet die „Geld-Zurück-Garantie“. Bis 15 Uhr des ersten Seminartages kann jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer abbrechen und erhält den vollständigen Seminarpreis zurück.


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