Diverse Musik

Schwarzer Rotz


Vertonung und Visualisierung des gleichnamigen Gedichtzyklus von Christian Loidl.

Eine Veranstaltung des Musil-Instituts für Literaturforschung der Fakultät für Kulturwissenschaften, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

schwarzer rotz – die textvorlage:

Filigrane Kleinode, Kondensate existentieller
Einsichten in unbändige Sprache gegossen: Mit
diesen 22 letzten, noch selbst zur Veröffentlichung
vorbereiteten Miniaturen „echos für h.c. artmann“,
zu einem hintergründigen Kranz verkettet, setzte
sich der Lyriker und Performance-Künstler
Christian Loidl (1957 – 2001) quasi versehentlich
selbst ein Epitaph – verunfallt auf einer schamanischen
Reise 6 Tage vor der Präsentation. Die
Absicht Loidls, die ihn schreiben ließ, war nie auf
vordergründige Schönheit gerichtet, sondern
auf das Öffnen des Geistes – das Entsorgen
verkrusteter Denkstrukturen durch immer neue
Wendungen, die eingefahrene Erwartungen in die
Irre führen, sodass das Neue, Unerhörte „ein loch
hinterlässt im stoff unserer anmaßungen“.

schwarzer rotz – die musik :

Martina Cizeks zwei Kompositionen spannen ein
doppelt polares Universum auf: Einmal zwischen
unveränderlich auf Datenträger gebannten
magischen Klangflächen mit Einspielungen von
Christian Loidls eigener Stimme und live zu gestaltender
Musik; zum zweiten Mal innerhalb dieser:
Die Gesangslinie schafft es, diese auf den Punkt
gebrachten Kleinstkunstwerke unter äußerster
Selbstbeschränkung – nach dem unnachgiebigen
Regelwerk der Schönberg’schen 12-Ton-Technik –
ebenso präzise, man könnte sagen, in Musik zu
zeichnen. Kein Intervall, das nicht durch das Wort
motiviert; es scheint sogar: zwingend begründet
wäre. Gleichzeitig jedoch der diametrale Gegensatz:
Freie Improvisation, das Thema aufnehmend
oder auch nicht, Vorgaben den Eingebungen des
Augenblicks opfernd; keine Aufführung wird einer
anderen gleichen; ein Gesamtkunstwerk als Abbild
des Lebens, der Küstenlinie zwischen Ordnung
und Chaos.

schwarzer rotz – die messerschnitte :

Vielbeinige Hunde, Vögel und Ausgeburten
aller Art bevölkern die expressive Schattenwelt,
die Jo Kuehn Loidls Lyrik bereitet. In die Flächen
aus Lederhosen, Kreuzen, Portalen aus bizarren
Wesen sind in nahtloser Zusammenarbeit von
Dichter und Messerschneider Worte und Zeilen
punktgenau so hineinmodelliert, dass ein gemeinsamer
Bedeutungsraum entsteht: Gedicht als
Körper, Graphik als sein Kleid oder als Fenster in
seine eigene Welt.
Das Unerhörte Quartett:

Martina Cizek
Saxophon, Flöte, Gartenschlauch,
Gitarrenständer, Kupferrohr, Elektroakustik...:

Was ist sie in der Welt der Klänge
nicht? Seit 1980 freischaffende und
vielfach preisgekrönte Musikerin und
Komponistin; wiedergebend an
alltäglichen wie seltsamen Blasinstrumenten,
in allen Stilen von Klassik bis Klezmer,
von Impro bis Balkan, von Pachelbel bis Webern;
im Trio mit Joelle Léandre und Tina Wrase (Unart
in Concert); selbst Ton setzend von Kontrapunkt
bis Tonband; Spielen und (Er)finden vereinend in
freier Improvisation; und immer wieder Vertonung,
Untermalung, vielgestaltige Umarmung des
Wortes: Texte von Bachmann und Jandl, Kreidl,
Brickwell und Toth, vorsokratischer Philosophen
und und – und eben von Christian Loidl, mit dem
sie eine jahrzehntelange schöpferische Freundschaft
verband. Spiritus Rectrix

Angelina Ertel
Querflöten, strange percussion:
Schon als Kind funkelte sie der Ton
der Querflöte an: Schicksalhaft.
Konzertfachabschluss in Köln, dann
Fortbildungen an der Musik-Uni
Wien; Musikkinesiologin. Seit dem
Ende der 90er als fixe Größe der
freien Impro-Szene Wiens Klangfarbenmagierin
u.a. mit Peter Herbert, Hermann
Stangassinger, Bernadette Zeilinger, Josef Novotny,
Herbert Lacina, Michael Fischer, Clementine
Gasser...; Mitglied des Vienna Improvisors
Orchestra (VIO) und Marco Eneidi’s Neu New
York/Vienna Institute of Improvised Music
soundcloud.com/angelinaertel

Sylvia Bruckner
Klavier, Zither, Akkordeon, Holzfrösche... :
Erster (begeisterter!) Klavierunterricht
mit 4 Jahren; die Technik gab ihr die
Herrin im Schlaf. Diplomabschluss in
Wien (Klassik), Jazz bei Fritz Pauer.
– Und ab ins volle Musikerleben:
Spielt auf Jazz-Festen (Nickelsdorf,
Berlin, Katowice, Limmitationes Ljubljana...) und
improvisiert sich quer durch Europa – u.a. mit
Joelle Léandre, John Butcher, Raymond Strid,
Reggie Workman, Thomas Stempkowski, Elisabeth
Flunger, Erich Schachtner....
www.sylviabruckner.com

Jaan Klasmann
Bassbariton, Stimmverkleidungen in
Sprache und Gesang:
Nach Jusstudium, neben Gerichtsjahr,
Journalistenkarriere, Therapeutenausbildung
und 20 Jahren Alleinerzieherfreuden
den inneren Auftrag,
zu singen immer weiterverfolgt.
Ausbildung bei Charlotte Sentous,
Hugh Beresford, Marie-Thérèse Escribano und
Edvin Számosi und – auf ganz anderer Ebene –
Pir Vilayat Inayat Khan: Stimme als klingenden
kosmischen Lebensatem begriffen. Seit den 90ern
sporadische, seit 2010 immer häufigere Auftritte
als Lesender und Sänger, u.a. mit Bach, Händel,
Mozart, Schumann. Jahrzehntelange spirituelle
Freundschaft mit Christian Loidl.


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