Pop / Rock · Singer-Songwriter

Schmieds Puls, Pete Astor, Robert Rotifer


"Wer vermeint, er/sie hätte den in seiner/ihrer Lebenserfahrung für SongwriterInnen mit akustischen Gitarren vorgesehenen Platz eh schon gefüllt, macht einen furchtbaren Fehler: Erst noch Mira Lu Kovacs alias Schmieds Puls gehört haben, dann möglicherweise sterben. ...

Schmieds Puls
Seit ihrem Auftauchen im Umkreis der Jazzwerkstatt vor circa drei Jahren hat die unverschämt talentierte Sängerin, Gitarristin und Songautorin Mira Kovacs mit Christian Grobauer am Schlagzeug und Walter Klinger am Kontrabass zwei ideale musikalische Gefährten, vor allem aber auch ein stetig wachsendes Publikum gefunden und mit erstaunlicher Ziel- und Stilsicherheit von ihren von Ani Di Franco inspirierten Anfängen auf eine Reise der Reduktion bis hin zur emotionalen Essenz ihrer Kunst mitgenommen. Was Schmieds Puls als akustisches Trio an feinsten dynamischen Schattierungen erzeugt, kleidet sich in einer täuschenden Schlichtheit, die nicht mit Einfachheit verwechselt werden darf. Alles an Schmieds Puls ist hoch durchdachtes Arrangement, nichts ist überflüssig. Kovacs mag ihrer Band einen deutschen Namen gegeben haben, aber nach „Play Dead“ ist ihr heuriges Album „I Care a Little Less About Everything Now“ in der furchtlosen Intimität seiner Texte das möglicherweise überzeugendste Beispiel nichtmuttersprachlich anglophonen Songwritings, das dieses Land je hervorgebracht hat.

Pete Astor
Eigentlich war Pete Astor, Veteran der Independent-Szene der 1980er als Frontmann der frühen Creation-Bands The Loft und The Weather Prophets schon lange unterwegs in Richtung einer geruhsamen Akademikerlaufbahn als Lektor für Popularmusik an der University of Westminster gewesen. Hin und wieder erschien ein Solo-Album, dann wieder eines mit seinem Instrumental-Projekt Ellis Island Sound. Doch im Gefolge privater Umwälzungen, die seine Lebensumstände radikal veränderten, hat er nun wieder zurück zur Gitarre, zur Songschreiberei und auf die Bühne gefunden. Sein Anfang 2016 erscheinendes, neues Album „Spilt Milk“ kehrt also zu den vertrauten Werkzeugen vor seinen elektronischen Experimenten zurück und versprüht dabei den entwaffnend selbstironischen Charme des gereiften intellektuellen Troubadours, der die Welt gesehen hat (vgl. Robert Forster oder Lloyd Cole). Das britische Magazin Uncut beschreibt das in einer ersten Kritik als „zutiefst englische und doch Coheneske Folk-Songs, die sich in Richtung des französischen Chansons neigen.“

Robert Rotifer
Die Reihe „Heartbeat in a Home“ gibt Robert Rotifer eine seltene Chance, die Grenze zwischen seinen Tätigkeiten als Kritiker, Kurator und als Musiker zu überschreiten. Über die Jahre hat Rotifers Hang zu Songs mit ungewöhnlichen Themen wie Küchendesign (The Frankfurt Kitchen), der Schengenvertrag (Schengenländer Die) oder die Meeresbiologie (Aberdeen Marine Lab) nicht nur bei der Kritik („gespickt mit gewitzten, boshaften Texten“, Uncut), sondern auch bei einigen seiner musikalischen Helden Anerkennung gefunden: Von Edwyn Collins (brachte eine von Rotifers Platten heraus) über Wreckless Eric (produzierte selbige) bis hin zu Robert Wyatt, der schrieb: „Deine Platten sind einzigartig in ihrer gewissenhaften Klarheit, ohne einfach zu sein. Es lohnt wirklich genau hinzuhören – eine seltene Intelligenz.“ Zur Eröffnung des Abends wird Rotifer sein neues Solo-Albums „Not Your Door“ (das erste nach sechs Band-Alben) präsentieren.


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