Theater

Schatten (Eurydike sagt)


Elfriede Jelinek verleiht nicht dem langst geschaffenen Mythos des Orpheus ihre Sprache, sondern lässt Eurydike zu Wort kommen. Es sind Jackie, Lady Di und Schneewittchen, die die Autorinnenschaft über ihre Geschichte übernehmen und im Zuge dessen ihren Mythos dekomponieren. Aus dem Schattenreich des Hades schreibt die Nymphe – bewaffnet mit Freud – gegen ihr tödliches „Sein“ als ewiges Sehnsuchtsobjekt an: „Die intensive, infolge ihrer Unstillbarkeit stets anwachsende Sehnsuchtsbesetzung von mir, dem vermisten, verlorenen Objekt, wird dieselben ökonomischen Bedingungen herstellen wie die Schmerzbesetzung einer verletzten Körperstelle, also stellen Sie sich vor, es wird ihm so weh tun wie mir der Biß dieser Schlange oder was das ist, das mich jetzt getötet hat, aua!“ Diese Eurydike ist eine Nachfolgerin der toten, sprechenden Widergängerinnen aus Jelineks Prinzessinnendramen „Der Tod und das Madchen I-V“, in welchen u. a. Jackie, Lady Di und Schneewittchen die Autorinnenschaft über ihre Geschichte übernehmen und im Zuge dessen ihren Mythos dekomponieren.

Jelineks Eurydike vermisst zwar ihre Kleider im Schattenreich, aber „um nichts im Tod“ will sie von ihrem narzisstischen Sängergatten zurückgeholt werden ins unerträgliche Reich des so genannten Realen, in dem es nur so wimmelt von kreischenden, mänadenartigen Groupies. Orpheus’ fataler Blick zurück ist aus ihrer Perspektive der vernichtende Versuch, sein unsichtbares, geliebtes Objekt zu fotografieren, sichtbar zu machen, erneut ein Bild von ihm zu erschaffen und es festzuhalten. Eurydike jedoch gleitet erlöst zurück zu den Schatten, ins Körperlose, Verborgene, ins Nichts: „Das Größte aber ist, nicht geliebt zu werden und nicht zu lieben.“'

Elisabeth Augustin
Brigitta Furgler
Sabine Haupt
Alexandra Henkel
Katharina Lorenz
Christiane von Poelnitz
Yohanna Schwertfeger
Lucas Gregorowicz
Nikolaus Habjan (Puppenspieler)

Regie: Matthias Hartmann
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Tina Kloempken
Musik: Karsten Riedel, Lucas Gregorowicz
Licht: Peter Bandl
Dramaturgie: Amely Joana Haag


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