Theater

Sauschlachten


Das Stück, die Umstände: Familie, Lehrer, Pfarrer, Arzt und Notar sind sich einig – der behinderte Sohn muss geschlachtet werden. Unzumutbar, der Hilflose, für seine Umwelt. Peter Turrini schrieb das Stück im (imaginierten?) Tauwetter der 1968er-Revolte, er war damals hart an der Realität: Schwangerschaftsabbruch – ein Verbrechen; vor Brodas Strafrechtsreform: eine Nacht auf hartem Lager am Jahrestag der Tat für den Verurteilten; Ehefrauen brauchten vor der Familienrechtsreform das schriftliche Einverständnis des Mannes, wenn sie arbeiten wollten.

Heute? Würde der gequälte Sohn in Turrinis Parabel gegen einen Protagonisten wie etwa einen Asylsuchenden aus Tschetschenien getauscht, dann werden Familie, Lehrer, Pfarrer und Notar zu desorientierenden Wegwerfzeitungen, hetzenden, gewählten Mandataren, zu Internierungslagern wie die Saualm oder zu Landeshauptmännern, die nach der Integrationspolizei oder dem Integrationsknast rufen, um rechte Stimmen zu lukrieren.

Das Ensemble des 11% K.Theaters spielte exzellent einen «alten» Turrini – das Stück ist heute erschreckend aktuell. Verwerfungen zeigen sich lediglich in anderen Erscheinungsformen. Jedoch mag das Publikum auch erfreut denken und/oder erhoffen: Heute gibt es mehr Widerstand.
Und: Es wäre nicht das Projekt Augustin, käme bei der Stückauswahl zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich 20 Jahre Augustin nicht eine Arbeit wie Turrinis «Sauschlachten» in den Fokus.
Stückauswahl, Turrinis Text, Regie und Spiel der Gruppe 11% K.Theater: Chapeau! Bitte mehr!
(Clemens Staudinger)


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