Tanz

Sasha Waltz - Körper


»Körper sind nur denkbar in Beziehung zu anderen. Sogar, wenn sie allein sind. Denn wenn ich allein bin, dann nur, weil die anderen fehlen.« (Judith Butler)

Was ist denn der Körper überhaupt? Ist er Ding? Ist er Kraft? Wie setzt er sich zusammen? Wie leben wir unsere Körper? In Körper, dem ersten Teil der gleichnamigen choreografischen Trilogie und zugleich einer ihrer herausragendsten Arbeiten, visualisiert und analysiert Sasha Waltz mit ihren dreizehn Tänzerinnen die Hülle und das Innere des menschlichen Körpers, seine Schönheit und Hässlichkeit, seine Sterblichkeit und sein Streben nach dem Idealisierten. Ein reduzierter Raum dient hierfür als Schauplatz. Er wird von einer runden, hohen Betonwand gebildet, der sich in seiner Nacktheit mit der Nacktheit der Tänzerinnen verflicht und sie anatomisch entlarvt. Der menschliche Organismus wird sowohl als einheitliches System abgebildet, als auch in seine Fragmente zerlegt: der Körper aus Wasser, die Beine rennen, die Ellbogen stützen, die Organe arbeiten, das Herz klopft, die Augen tränen, Knie, Rücken, Kiefer knacken ... Das Fragmentarische entblößt die nackten Körper bis auf ihre Sehnen und Knochen, lässt sie in ihre Einzelteile zerfallen und bringt so stereotype Bilder ins Wanken. In bizarren, mitunter komischen Szenen vollziehen die Körper eine choreografische Häutung von Sprache und Norm. Die Untersuchung ist Widerhall der Tanzkörper, des Raumes und ihrer Beziehungen zueinander.

Für die „Körperforscherin“ Sasha Waltz ist das Stück ein Versuch zu Verstehen – einzelne Aspekte zu definieren, abseits der Form des Körpers, hingewandt zu den Systemen, die uns Menschen am Leben erhalten, den Verbindungen zum Körper, die nicht materiell sind. Über Dekonstruktion werden Körperkonstrukte freigelegt und umformuliert.

REGIE / CHOREOGRAFIE: Sasha Waltz

MUSIK: Hans Peter Kuhn
BÜHNE: Thomas Schenk, Heike Schuppelius, Sasha Waltz
KOSTÜME: Bernd Skodzig
LICHT: Valentin Gallé, Martin Hauk
DRAMATURGIE: Jochen Sandig
TANZ / CHOREOGRAFIE: Davide Camplani, Lisa Densem, Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola,
Luc Dunberry, Annette Klar, Nicola Mascia, Grayson Millwood, Michal Mualem, Virgis Puodziunas,
Claudia de Serpa Soares, Xuan Shi, Takako Suzuki, Laurie Young
REPETITION: Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola
REGIEASSISTENZ: Francesca Noia
GARDEROBIERE: Margaretha Heller, Carina Castler
HAARE / MAKE-UP: Stefanie Kinzel
BÜHNENTECHNIK: Daniel Herrmann
LICHTTECHNIK: Olaf Danilsen
TONTECHNIK: Lutz Nerger
ASSISTENZ TECHNISCHE LEITUNG: Leonardo Bucalossi
TOUR MANAGER: Karsten Liske
TECHNISCHE LEITUNG SASHA WALTZ & GUESTS: Reinhard Wizisla
DIREKTION SASHA WALTZ & GUESTS: Jochen Sandig

www.sashawaltz.com

Sasha Waltz wurde in Karlsruhe geboren. Von 1983-1987 studierte sie Tanz und Choreografie in Amsterdam und New York. Gemeinsam mit Jochen Sandig gründete sie 1993 Sasha Waltz & Guests und 1996 die Sophiensæle. Von 2000 bis 2004 gehörte sie der Künstlerischen Leitung der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin an. Hier entstanden u.a. die Stücke Körper, S und noBody sowie die choreographische Installation insideout. Ende des Jahres 2004 wurde Sasha Waltz & Guests erneut unabhängig und realisierte ihre erste Opernproduktion Dido & Aeneas zur Musik Henry Purcells, uraufgeführt am Grand Théâtre de Luxembourg und an der Staatsoper Berlin. Die zweite choreographische Oper Medea von Sasha Waltz zur Musik von Pascal Dusapin und dem Text von Heiner Müller kam im Mai 2007 in Luxemburg zur Uraufführung, im September zur Deutschlandpremiere an die Staatsoper Berlin. Für die Opéra National de Paris choreografierte sie im Oktober 2007 Roméo et Juliette zur Dramatischen Sinfonie von Hector Berlioz. Das musikalisch-choreographische Projekt Jagden und Formen (Zustand 2008) nach der Musik von Wolfgang Rihm wurde im Frühjahr 2008 in Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern in Frankfurt am Main uraufgeführt. Im März 2009 präsentierte die Compagnie Dialoge 09 – Neues Museum von Sasha Waltz im von David Chipperfield rekonstruierten Neuen Museum in Berlin und erreichte damit mehr als 10.000 Zuschauer. 2009 erhielt Sasha Waltz ein Künstlerstipendium in der Villa Massimo Rom. Das Projekt Dialoge 09 – MAXXI war im November zur feierlichen Einweihung des Museumsneubaus von Zaha Hadid MAXXI – Museo nazionale delle arti del XXI secolo in Rom zu sehen. Continu von Sasha Waltz wurde im Juni 2010 in Zürich uraufgeführt, im Oktober 2010 folgte die Uraufführung ihrer choreographischen Oper Passion von Pascal Dusapin am Théâtre des Champs-Élysées in Paris. Im Mai 2011 feierte die Oper Matsukaze vom japanischen Komponisten Toshio Hosokawa, choreografiert von Sasha Waltz, Premiere am Opernhaus La Monnaie in Brüssel. Im Januar 2012 wurde das choreographische Konzert gefaltet von Sasha Waltz und Mark Andre im Rahmen des Festivals Mozartwoche der Stiftung Mozarteum in Salzburg zur Uraufführung gebracht. Im Mai 2012 choreografierte Sasha Waltz auf Einladung der Berliner Philharmoniker im Rahmen des Education-Programms das Tanzprojekt MusicTANZ - Carmen mit über 100 Schülern zur Carmen-Suite von Rodion Schtschedrin. 2013 choreografierte Sasha Waltz u.a. Igor Strawinskys Le Sacre du Printemps, eine Zusammenarbeit von Sasha Waltz & Guests und dem Mariinsky Ballett St. Petersburg. Sacre wurde am 13. Mai im neu eröffneten Mariinsky Theater St. Petersburg uraufgeführt und war anschließend in Paris, Brüssel und Berlin zu sehen. Gemeinsam mit Peter Weibel kuratierte Sasha Waltz im ZKM Karlsruhe die Sonderausstellung Sasha Waltz. Installationen. Objekte. Performances, die ihr Werk erstmals auch im Kontext der Bildenden Kunst zeigte. Von September 2013 bis Februar 2014 zog das neuartige Ausstellungsformat rund 60.000 Besucher an. Im April 2014 inszenierte Sasha Waltz an der Staatsoper im Schiller Theater im Rahmen der Festtage und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim Richard Wagners Tannhäuser. Anfang September 2014 kam die neue Produktion von Sasha Waltz & Guests, Orfeo von Claudio Monteverdi choreografiert von Sasha Waltz, an der Dutch National Opera in Amsterdam zur Uraufführung, weitere Vorstellungen in Luxemburg, Bergen, Baden-Baden, Berlin und Lille. Im April 2015 war ihre Choreografie Roméo et Juliette erstmals in der Besetzung Sasha Waltz & Guests auch in Deutschland, an der Deutschen Oper Berlin, zu sehen.

Für ihre Arbeit wurde Sasha Waltz mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem französischen Kulturorden „Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres“. 2011 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Seit Juni 2013 ist Sasha Waltz außerdem Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Die Compagnie Sasha Waltz & Guests war im Jahr 2013 offizieller EU-Kulturbotschafter, im Januar wurde sie mit dem „george tabori ehrenpreis“ 2014 des Fonds Darstellende Künste geehrt.

Die Compagnie SASHA WALTZ & GUESTS wurde 1993 von Sasha Waltz und Jochen Sandig in Berlin gegründet. Bis heute wirkten mehr als 250 Künstlerinnen und Ensembles – Architektinnen, Bildende Künstlerinnen, Choreografinnen, Filmemacherinnen, Designerinnen, Musikerinnen, Sängerinnen und Tänzer_innen – aus 25 Ländern als »Guests« mit.

2013 wurde die Compagnie von der Europäischen Union zum „Europäischen Kulturbotschafter 2013“ ernannt. Gewürdigt wurden damit die vielfältigen Aktivitäten der Compagnie, die weltweit ausstrahlen – die Neuproduktionen in Kooperation mit vielen europäischen Partnern ebenso wie Gastspiele, Workshops sowie Transfer- und Educationprojekte. Das dialogische Prinzip prägt die Arbeit der Compagnie und ermöglicht immer wieder das Aufeinandertreffen unterschiedlichster künstlerischer Disziplinen. Vor allem der Tanz ist als Kunstform nicht an Sprach- und Landesgrenzen gebunden. An die 250 Gastspiele von Sasha Waltz & Guests wurden bislang in 103 europäischen Städten realisiert – mit der Unterstützung des Netzwerks von über 150 europäischen Koproduktions-, Gastspiel- und Festivalpartnern sowie Musikensembles.

In Berlin kooperiert die Compagnie mit einer großen Bandbreite von Einrichtungen wie Stadttheatern, Opernhäusern, Museen und hat zur Gründung innovativer Produktionsorte für den Dialog der Künste wie den Sophiensaelen (1997) und dem Radialsystem V, Space for Arts & Ideas (2006), beigetragen. Die Erschließung innovativer Aufführungs- und Kreationsformen im choreographischen Musiktheater hat sich zum bedeutendsten Schwerpunkt in der Arbeit von Sasha Waltz & Guests entwickelt. Zuletzt ehrte der Fonds Darstellende Künste Sasha Waltz & Guests mit dem „george tabori ehrenpreis“ 2014.

EINFÜHRUNG
DO 15. OKT
19.45 h in TQW / Studios
Eintritt frei

VORTRAG Der anagrammatische Körper
von Krassimira Kruschkova
FR 16. OKT
19.00 h in TQW / Studios
Eintritt frei


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