Kunstausstellung

Santiago Sierra - The Krems Project


Weltweit erhitzen sich die Gemüter angesichts der Arbeit von Santiago Sierra, die mit drastischen Mitteln die strukturelle und institutionalisierte Gewalt von wirtschaftlichen und politischen Systemen gegen das Individuum thematisiert. Mit formaler Strenge und Abstraktion erschafft Sierra beklemmende Bilder der Lebensrealität in kapitalistischen Systemen.

Seine Arbeiten legen ihre Finger auf die Wunden unserer Gesellschaft und gießen noch dazu brennende Flüssigkeit nach; Ausbeutung, Ausgrenzung, Unterdrückung, allgemeine Prostitution und Nationalismus sind die zentralen Themen seiner Arbeiten, die nichts anderes tun sollen, als die Realität abzubilden.

So bezahlte er in der Performance „250 cm line tattooed on 6 paid people“ sechs jungen Kubanern 30 Dollar, um sich nebeneinander stehend eine durchgehende Linie in den Rücken tätowieren zu lassen, 2003 ließ er den Eingang des spanischen Pavillons bei der Biennale von Venedig zumauern und gewährte nur InhaberInnen eines spanischen Passes über einen Hintereingang Einlass ins leere Gebäude, in Deutschland leitete er Autoabgase in eine Synagoge, im Folkwang Museum in Essen ließ er Kriegsveteranen gegen Wände starren.

In The Krems Project wird Santiago Sierra mit Häftlingen der Justizanstalt Stein Sessions mit der von Engelbert Winkler (Psychologe und Psychotherapeut) und Dirk Pröckl (Dipl.-Psychologe und Facharzt für Neurologie) entwickelten Lampe „Lucia N°03“ durchführen.

Ähnlich wie bei Nahtoderfahrungen, in denen der Körper eigenes Dimethyltryptamin (DMT) ausschüttet, verspricht die Lampe durch die Kombination von flexiblem Stroboskop- und Konstantlicht extrem positive Erlebensweisen wie das Gefühl von Körperlosigkeit oder das Sehen intensiver Farb- und Formwelten. Lucia N°03 lässt im EEG Wellenmuster entstehen, die sich üblicherweise erst nach mehrjähriger Meditationspraxis zeigen und ermöglicht eine Transzendenzerfahrung, wie sie sonst nur unter extremen Bedingungen (im Hochleistungssport, durch den Konsum von entheogenen Substanzen oder auch in Todesnähe etc.) stattfindet und löst in der Folge dieselben positiven Nachwirkungen aus.

Die Video-Dokumentation der kathartischen Sessions wird dann in der Kunsthalle Krems Teil der neuen Arbeit von Santiago Sierra werden.

In Kooperation mit Justizanstalt Stein und Dr. Engelbert Winkler und Martin Duschek, Gesellschafter der light attendance gmbh, Innsbruck, www.gesund-im-licht.at

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Art / Installation
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