Theater · Klassik

Salzburger Festspiele 2015


188 Aufführungen in 44 Tagen an 12 Spielstätten



Oper – Konzert – Schauspiel

Den Beginn im Opernprogramm macht ein Werk der neuen Musik, der sich die Salzburger Festspiele besonders verpflichtet fühlen. Es ist in diesem Jahr Die Eroberung von Mexico von Wolfgang Rihm. Aus Texten von Antonin Artaud und Octavio Paz hat Rihm sein Libretto collagiert und lässt in einer dramatischen Begegnung den Conquistatoren Hernan Cortez und den unglücklichen Aztekenkönig Montezuma aufeinander treffen. Regie führt der Altmeister der Regieprovokateure – im besten Sinne des Wortes – Peter Konwitschny. Es singen und spielen u. a. Angela Denoke und Bo Skovhus, die musikalische Leitung hat Ingo Metzmacher inne. Weiter geht es mit Le nozze di Figaro, dem Schlusspunkt im Salzburger Mozart/Da-Ponte-Zyklus. Bei dieser Opera buffa, die mit einer utopischen Versöhnung zwischen Männern und Frauen, zwischen Herren und Dienern endet, steht Dan Ettinger am Pult der Wiener Philharmoniker. In den Hauptpartien sind Anett Fritsch, Martina Janková, Luca Pisaroni und Adam Plachetka zu erleben.

Bei der Befreiungsoper Fidelio von Ludwig van Beethoven in der Neuinszenierung von Claus Guth übernimmt Franz Welser-Möst die musikalische Einstudierung mit Adrianne Pieczonka und Jonas Kaufmann als Protagonisten. Mit Bellinis Norma, der persönlichen, religiösen und politischen Tragödie einer kolonialen Unterwerfung, sowie Glucks Iphigénie en Tauride, in der die Autoren den Ungehorsam der Protagonisten gegenüber den Göttern und der weltlichen Macht schildern, ist Cecilia Bartoli gleich in zwei berührenden Partien ihres Faches in diesem Festspielsommer zu erleben. Welche vernichtenden Konsequenzen die Leidenschaft zeitigen kann, insbesondere wenn sie die Mächtigen befällt, lässt Verdi in seinem Il trovatore erfahren, der mit Francesco Meli in der Titelpartie an der Seite von Anna Netrebko zur Aufführung kommt. Den Reigen der szenischen Opernproduktionen beschließt die hochgelobte Salzburger Inszenierung des Rosenkavalier von Harry Kupfer mit Franz Welser-Möst am Pult – nach Figaro, Fidelio und Il trovatore die vierte Oper, die die Wiener Philharmoniker heuer zur Wiedergabe bringen, und hier sind es der abwesende und doch das Geschehen überschattende Feldmarschall von Werdenberg, der auf aristokratische Vorrechte pochende Ochs auf Lerchenau und selbst der junge Octavian, der die Marschallin verzweifelt sagen lässt: „Sei er nur nicht wie alle Männer sind.“
In unseren konzertanten Aufführungen von Verdis Ernani mit Riccardo Muti am Dirigentenpult, Massenets Werther mit Piotr Beczala in der Titelrolle und Elīna Garanča als Charlotte sowie in Purcells Dido and Aeneas bleiben wir unserem Thema auf der Spur.

Auch im Schauspiel verfolgen wir den Gedanken der Abhängigkeiten in hierarchischen Verhältnissen weiter:
In Shakespeares Komödie der Irrungen geht es um zwei Zwillingspaare, die einander zu Herren und Dienern haben und in irrwitzige, komische und zugleich existenziell bedrohliche Verwechslungskatastrophen gestoßen werden. Regie führt Henry Mason, der 2013 mit einem anderen Werk Shakespeares, dem Sommernachtstraum, bei den Festspielen einen Riesentriumph feierte. Mit dem Clavigo beschreibt Goethe den ruchlosen Ehrgeiz eines Karrieristen, und in Mackie Messer, der Dreigroschenoper von Brecht und Weill, in der exklusiven musikalischen Neubearbeitung für die Festspiele, werden die Verhältnisse zur Verdeutlichung auf den Kopf gestellt: Der Sozialdarwinismus wird ausgerechnet vom Bettlerkönig Peachum gepredigt. Im Jedermann schließlich sind die Lobpreisungen der Geldwirtschaft, die der verblendete reiche Mann vornimmt, immer noch von entlarvender Schärfe.

Die Ouverture spirituelle, die sich in der Woche vor der offiziellen Eröffnung der Festspiele der geistlichen Musik widmet, hat in diesem Sommer den Hinduismus zum Schwerpunkt. Im Konzertprogramm präsentieren wir weiters u.a. die sich in 2016 fortsetzende Reihe „Die Wiener Philharmoniker und ihre Komponisten“ und bringen damit Werke zu Gehör, die im Auftrag der Wiener Philharmoniker komponiert wurden oder eine besondere historische Bedeutung für sie haben. Pierre Boulez, der den Festspielen seit 1960 als Dirigent und Komponist verbunden ist, schenken wir in der Reihe Salzburg contemporary unsere besondere Aufmerksamkeit.


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