Tanz · Theater

Saint Genet - Frail Affinities


Mit „The Dorothy K“ - damals noch unter dem Namen Implied Violence und im Verbund mit dem Parenthetical Girls-Sänger Zac Pennington sowie Hermes Phettberg - begann im Jahr 2010 die Zusammenarbeit des donaufestival mit dem Autor, Regisseur und Performancekünstler Derrick Ryan Claude Mitchell. 2014 folgte in Koproduktion mit dem Luminato Festival in Toronto Mitchells internationaler Durchbruch mit der gleichermaßen existentiellen wie bildgewaltigen Arbeit „Paradisiacal Rites“. Dass Ryan Mitchell seit geraumer Zeit seine Truppe nach Sartres „Heiligem Genet“ benennt, mag in einem existentialistischen Grundkonsens darüber liegen, dass Genie keine Gabe ist, sondern vielmehr eine Strategie, die wir in ausweglosen Situationen entwickeln. Unterstützt und bewundert vom Theatermagier Robert Wilson und der Ikone radikaler Performance-Kunst Marina Abramovic geht Ryan Mitchell in seiner Arbeit nicht nur an psychische sondern auch an physische Grenzen.
2016 kehren Saint Genet mit einem mehrteiligen Werkkomplex nach Krems zurück. In einer 72-stündigen Performance/Installation im April letzten Jahres, die eine Prozession von einer verlassenen Fabrik in Traiskirchen ins Zentrum von Wien beinhaltete, lag der Kern von Ryan Mitchells neuer Migrationstragödie, die er im Rahmen des donaufestival präsentiert.
Die Uraufführung der sechstägigen Performance „Frail Affinities“ verweist poetisch wie satirisch auf die Tragödie der „Donner Party“ aus dem Jahr 1846. Eine Gruppe von SiedlerInnen, die die USA durchquerte, musste unvorstellbare Gräuel durchstehen, nachdem sie im Sierra Nevada Gebirge in einen Schneesturm geraten war. Die Tragödie der Menschen auf Flucht in eine neue, bessere Welt endet in Bildern traumatischer Erfahrungen zwischen Tod und Kannibalismus. Saint Genets Methode beruht auf Bildern, die zu Obsessionen werden und eröffnet psychische wie physische Räume an einer Grenze, wo sich Leiden, Schmerz, Freude, Delirium und Tod begegnen.

Performer: Darren Dewse, Ezra Dickinson, Matt Drews, Sara Edwards, Ethan Folk, Derrick Ryan Claude Mitchell, MKNZ, Lily Nguyen, NKO
Musiker: Brian Lawlor (Piano/Synthisizer), D. Salo (Piano/Synthisizer), Emily Stewart (Violine), Judith Reiter (Viola), Julia Pichler (Violine), Lukas Lauermann (Cello)
Komposition: Brian Lawlor, D. Salo
Choreografie: Matt Drews
Kostüm & Maske: Robinick Fernandez
Assistenz: Jordan Christianson
Video: Alexander Nowak
Lichtdesign: John Torres
Sounddesign: Ryan Kelly
Soundregie: Lily Nguyen
Technische Betreuung Installation: NKO
Dramaturgie: Melissa Henry
Company Manager: Sara Edwards


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