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Kunstausstellung

Sławomir Toman - Mono-Poli


Die Anfänge der Popular Art, auch Pop-Art genannt, liegen in den 50iger-Jahren. Der Vorreiter dieser Kunstrichtung, die entworfen wurde um die Massen zu erreichen, war England. Von dort aus fand Pop-Art den Weg nach Frankreich, jedoch seine wahre Heimat wurden die USA und das hauptsächliche Zentrum New York. Die Wiederholbarkeit und die Verwendung von aus dem täglichen Gebrauch bekannten Formen, Waren der Massenproduktion wie z.B. die Suppendose Campbell von Andy Warhol, geben nüchterne, sachliche Aufzeichnung der typischen Elemente der Welt, in welcher der moderne Mensch lebt. Bei der Betrachtung des Schaffens von Sławomir Toman, dessen Werke gerade in der Galerie Sandhofer präsentiert werden, bekommen wir den Eindruck, dass seine Kunst eben solche Merkmale trägt. Doch wie der Künstler selber sagt – gleichzeitig das Sprichwort „Beurteile das Buch nicht nach dem Einband” paraphrasierend: „Beurteile meine Bilder nicht nach der schönen Oberfläche”.

Die künstlerischen Aktivitäten Sławomir Tomans begannen in der kommunistischen Ära der 80iger Jahre in Polen. Es war eine wirtschaftliche schwierige Zeit kurz vor dem Kriegsrecht: Leere Geschäftsregale, rationierte Lebensmittel, endlose Warteschlangen, Aschgrau dominierte die Straßen. In dieser grauen Realität konnten nur sehr wenige mit Dollar in den so genanten Pewex-Geschäften einkaufen – Geschäfte mit westlichen Waren. Ein Teil der Menschen - jene mit Familie in Deutschland oder USA - hatten das Glück solche Luxusgüter öfters zu Gesicht zu bekommen, eine echte Schokolade in Zeiten, in welchen in Polen der Schokoladen-Block regierte, der mit einer echten Schokolade wenig gemeinsam hatte, zu kosten. In diesen schwierigen Zeiten der Knappheit und homogener Kultur träumte Toman von den im damaligen Polen sehr begehrten westlichen Waren der Massenproduktion. Auf der Suche nach dem eigenen Weg zur Befreiung von den durch das herrschenden System auferlegten Zwängen, begann er die durch amerikanische Filmstudios kreierten Figuren zu malen. Dabei verwendete er Farben deren Koloratur nicht üblich war und dadurch Unverständnis und Kritik ausgesetzt. Die Professoren der Akademie der schönen Künste in Warschau waren nicht von den Werken des rebellischen Studenten, welcher Kunststoffprodukten huldigte und Objekte der expandierenden Konsumgesellschaft malte, angetan. Seine Kunst wich von den herrschenden Trends ab, daher konnte sie keinen Anspruch auf die echte Kunst stellen, die ja aus Schmerz geboren und in dunklen Farben dargestellt wird. Der Künstler wurde mit mangelhaftem Verständnis für das zentrale Konzept seiner Malerei konfrontiert.

Den Vorläufern der Pop-Art ist es nicht in vollem Umfang gelungen, das Ideal eines reinen Bildes zu realisieren. Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Richard Hamilton wollten eine Methode finden, die es ermöglicht nicht nach den Intentionen oder Bedeutungen in Bildern und Objekten zu suchen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich dieser Stil zu dem, was uns in Tomans Werken begegnet: Durch das Zeigen des Alltags erfolgt die Verbindung mit dem ursprünglichen Kontext. Indem er schöne, farbige Gegenstände und Disneys helle Märchenwelt zeigt, ist es seinerseits keine Hommage an die modernistische Kunst, ganz im Gegenteil. Seine Leinwände verstecken mal Humor mal Sarkasmus, sie zeigen die Oberflächlichkeiten innerhalb der Freuden und Leiden der Konsumgesellschaft und banalisieren die Macht der modernen Medien. Durch das Ansprechen der manchmal kontroversen Themen in seinen Bildern konzentriert Toman seine Aufmerksamkeit auf das Problem, das in der Ära der Visualität und Überschusses erscheint. Er ist ein objektiver Beobachter des Zeitgeistes, doch gleichzeitig nimmt er die Rolle des Mahners ein und verheimlicht nicht seine kritische Einstellung gegenüber diesen Tendenzen.

Wenn wir uns auf den visuellen Aspekt der Werke des Künstlers konzentrieren – was sehen wir, wenn wir auf die Leinwand schauen? Auf einem Bild versammeln sich schon beinahe die Grenzen der Leinwand sprengend bauchige, bunte Tic Tac`s. Auf einem anderen sehen wir einen Billardtisch mit chaotisch verstreuten Kugeln. Auf den folgenden verschlungene Röhren, mehrfarbige Strohhalme, Verschlusskappen bekannter Getränke. Mit einem Wort – bekannte alltägliche Formen, hyperrealistisch, oft in großem Maßstab multipliziert. Hohe Präzision im Detail, texturell reiche Oberfläche der Leinwand, gutes Licht, eine Vielzahl von gesättigten und reinen Farben – all dies erhöht die visuelle Wirkung auf den Betrachter. Wir haben den Eindruck, dass sich das präsentierte Objekt aus dem zu engen Rahmen des Bildes befreien will, dass uns nur eine Handbreit von ihm trennt. Multiplizierte Gegenstände auf vollständig von Farbe bedeckten Leinwänden, die man all-over nennt, die sich die gesamte Fläche unterordnen, betonen noch den Titel „Mono-Poli” – Einheit in der Vielfalt. Sie werden zur einer in sich geschlossenen Existenz – scheinbar leer und einfach in ihrer künstlerischen Vollkommenheit.

Andy Warhol wurde einst von den Kritikern die Banalisierung der Kunst vorgeworfen. Er zeigte uns seine ihm nahe Welt, nach seinem Empfinden eine schöne und interessante Welt. Er gab ihr ein neues Leben als eigenständige, isolierte Kreation der Kulturindustrie. Sławomir Toman geht noch einen Schritt weiter – er gibt dem uns umgebenden Gewebe der Realität Bedeutung. In der Mikroskala suggeriert er sich Gedanken über den Wunsch Sachen zu besitzen zu machen, in der Makroskala über die fortschreitende Konsumgesellschaft und den Abbau von höheren Werten zu reflektieren. Die im kommunistischen Polen begehrten Dinge wurden allen zugänglich, und ihre Massenproduktion, Billigkeit, Werbung und Mode stimulieren noch immer den Wunsch sie zu besitzen. Toman erschafft vollkommene, realistische Objekte auf der Leinwand, die Anwärter auf die Rolle von quasi Relikten werden. Dadurch zeigt er uns die Notwendigkeit sich von oberflächlichem Luxus zu distanzieren. Denn wie schon das bekannte Sprichwort sagt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Sandra Zagajna


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