Vortrag

Russland 2015: Medien, Gesellschaft und Opposition


Durch den Krieg in der Ostukraine, den niedrigen Ölpreis und den verfallenen Rubel müsste Russland eigentlich schon im Chaos versunken sein. Aber vorläufig sitzt Putin noch fest im Sattel. Elisabeth Schimpfössl, Russlandexpertin an der Universität London, sucht nach den Ursachen, die das möglich machen. Was die Staatsführung des 21. Jahrhunderts auszeichnet, ist eine gewisse Schlauheit, autoritäre Kontrolle hochmodern und dynamisch zu gestalten. Repressionen sind Teil des Systems und entsprechend brutal. Gleichzeitig gesteht das Regime jungen Bevölkerungsschichten den Spielraum zu, sich kreativ entfalten zu können - und dies nach Überzeugung vieler weit besser, als das irgendwo im Westen möglich wäre. Ähnliches gilt für die Medien. Diese sind bei politischen Themen zwar durch und durch kontrolliert. In anderen Bereichen aber lassen sie sowohl Publikum als auch JournalistInnen Freiräume zu. Sogar Oppositionelle dürfen hin und wieder Luft ablassen, vor allem deshalb, weil sie so wenige und mit ihren Ideen so wenig attraktiv für die ärmeren Teile der Bevölkerung sind, dass sie dem Regime kaum Schaden zufügen können. Durch ihre Schwäche trägt die Opposition letztlich aber auch einen großen Brocken der Verantwortung für Putins Erfolgsgeschichte.

Moderiert wird der Abend vom langjährigen ORF-Korrespondenten in Moskau, Markus Müller Schinwald, einen ausgewiesenen Kenner Russlands.


Vergangene Termine