Oper · Theater

Rusalka



Antonín Dvořáks Oper über das Schicksal der in einen Menschen verliebten Wasserfrau ist ein Märchenklassiker, aber alles andere als ein Kinderstück.

Es geht um erwachende Sexualität und um Missverständnisse zwischen den Geschlechtern, die verheerende Folgen haben. Das 1901 uraufgeführte Werk ist eine von zahlreichen künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Wasserfrauensujet, das in der Romantik seine typische Ausprägung erhielt und um 1900 psychologische Vertiefung erfuhr. Der Librettist und Regisseur Jaroslav Kvapil wollte eine dezidiert tschechische Variante der Geschichte schaffen.

Er kombinierte Elemente von Friedrich de la Motte Fouqués Undine (1811), Hans Christian Andersens Die kleine Meerjungfrau (1837) sowie von Gerhart Hauptmanns Märchendrama Die versunkene Glocke (1896) und fand dann in Dvořák den kongenialen künstlerischen Partner. Die Uraufführung im Prager Nationaltheater am 31. März 1901 brachte sogleich einen großen Erfolg. Dvořák, der auch ein umfangreiches sinfonisches Werk geschaffen hat, präsentiert sich hier in seiner vorletzten Oper einmal mehr als Meister subtiler Instrumentationskunst, die magische Stimmungen nuancenreich hervorzuzaubern vermag.

Zudem musste er das Kunststück schaffen, eine Hauptfigur, die über weite Teile der Oper stumm ist, trotzdem musikalisch präsent zu halten – dies gelingt ihm mittels einer differenzierten Leitmotivik – Rusalka hat als einzige Figurein eigenes Motiv, auch wenn sie nicht singt, ist ihre musikalische Signatur in das Geschehen eingewoben. Ihr ist zudem als Instrument die Harfe zugeordnet, zauberhaft und körperlos ist sie Substitut für ihre Stimme. Alle anderen Motive sind nur mit Situationen verbunden, Dvořáks verwebt sie filigran ineinander und erreicht so eine berauschende Einheit trotz des auch in der Musik gewahrten Gegensatzes zwischen Natur- und Menschenwelt. Letztere behandelt er eher traditionell und volkstümlich, die Wasserwelt Rusalkas hingegen gestaltet er in Harmonik und Melodik sehr ausgefallen. Bezwingend schön wirkt bis heute die Melodie, die er für die verliebte Rusalka fand – ihr Lied an den Mond ist in Musik geronnene Sehnsucht nach Unerreichbarem.

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  • Do., 26.09.2019

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