Kunstausstellung

Rosa Winkel, Memory Gaps – Erinnerungslücken als Kunstprojekt


Kunst-Aktion von Konstanze Sailer gedenkt der NS-Opfer mit Ausstellungen in Wiener Straßen, die es geben sollte.

Die Aktion des Gedenkens wird mit einer Ausstellung von Tuschen auf Papier in virtuellen Räumen eröffnet. Die Galerie befindet sich in einer Straße in Liesing, die es gegenwärtig nicht gibt, jedoch geben sollte. Eine Straße mit dem Namen eines Opfers der NS-Diktatur.

Paul Schieberle (* 07. Mai 1896 in Wien-Leopoldstadt; † 10. Dezember 1942 im Konzentrationslager Dachau). Stellvertretend für tausende homosexuelle Männer und Frauen, die in den NS-Vernichtungslagern ermordet wurden und deren Schicksale 70 Jahre nach Kriegsende nur äußerst bruchstückhaft aufgearbeitet sind, soll an Paul Schieberle erinnert werden.

Bis zum heutigen Tag existiert in Wien keine Straße, die seinen Namen trägt. Hingegen ist nach Josef Manowarda heute noch eine Gasse in 1230 Wien benannt. Manowarda war Opernsänger an den Staatsopern in Wien und Berlin sowie NSDAP-Mitglied seit 1933. Da er einer der Lieblingssänger der NS-Führung war, nahmen nach dessen Tod 1942 auch Göring und Goebbels an dessen Trauerfeier teil. Anstelle von Josef Manowarda sollte in 1230 Wien an Paul Schieberle erinnert werden.

Monat für Monat schließen die Ausstellungen von Memory Gaps eine Erinnerungslücke. Dabei wird nicht nur der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, sondern auch Umbenennungen von bestimmten Straßen und Plätzen angeregt: Von jenen, die heute immer noch Namen von Personen tragen, die in einem Naheverhältnis zum Nationalsozialismus standen. Monat für Monat wird auf diese Weise das kollektive Gedächtnis erweitert.

Die Erinnerungslücken - www.memorygaps.eu - zeigen eine aktuelle Auswahl aus tausenden Tuschen auf Papier aus zehn Jahren. Sie stellen Schreie und Aufschreie von Opfern dar. Zum schmerzerfüllten Aufschrei geöffnete Münder und Kiefer. Abstrakte Darstellungen von Schreien in Ghettos und in Konzentrationslagern - gemalte Erinnerungskultur.

„Die Tuschen entstanden in Serien und Werkblöcken in einem Zeitraum von 10 Jahren, zwischen 2005 und 2015. Sie stellen die endlosen Schreie von Opfern dar. Die Aufschreie und Schreie von damals bleiben in unser Gedächtnis graviert. Die Tuschen sind farblich jeweils sogenannten „Winkeln“ zugeordnet, den entmenschlichenden Kategorisierungen in den Konzentrationslagern.“, so Konstanze Sailer.


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