Tanz

Romeo und Julia


Musikalische Leitung
Dennis Russell Davies
Daniel Linton-France

Choreographie und Inszenierung
Jochen Ulrich (1944-2012)
Einstudierung und choreographische Mitarbeit Darie Cardyn / Leszek Kuligowski
Bühne Kathrin Kegler
Kostüme Marie-Therese Cramer
Dramaturgie Julia Zirkler

Ballett von Jochen Ulrich
nach William Shakespeare
Libretto von Dietlind Rank
Musik von Sergej Prokofjew

Die Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die sich den Widerständen ihrer Umgebung zum Trotz in Leidenschaft füreinander verzehren. Ein unseliges Schicksal führt Romeo und Julia in den Tod, der zugleich alter Feindschaft und bitterem Hass ein Ende bereitet. Am Ende steht die Versöhnung zwischen den verfeindeten Familien als Utopie. Im Kampf zwischen Gut und Böse – wobei das Böse der Krieg der verfeindeten Geschlechter, der Capulets und Montagues ist – werden die Kinder besiegt. Allzu arglos begegnet die Liebe in ihrer Unschuld und Reinheit extremem Hass und der gefährlichen Macht der von niederem Zwist gelenkten Köpfe: Streitigkeiten, klein und hinterhältig, weiten sich aus, ohne dass je nach dem „Warum“ gefragt wird oder man sie zu verhindern versucht, um schließlich jedes menschlich-natürliche Maß zu überschreiten.

Mit der Liebe zwischen Romeo und Julia über alle Gesellschaftskonflikte hinweg nimmt Shakespeares Tragödie ihren Lauf. Julia entscheidet sich trotz panischer Angst für jenen Liebestrank, der sie zur Scheintoten macht; Romeo – aus Verona verbannt, weil er Tybalt im Duell erstach – riskiert sein Leben, um Julia noch einmal zu sehen …

Jochen Ulrichs Ballett wird den von Shakespeare in der Renaissance angesiedelten Stoff in seiner Zeitlosigkeit aufgreifen und als ein auch unserer Zeit verpflichtetes Panorama entwerfen. Verona ist ein verbrannter und vom Krieg der Familien verwüsteter Schauplatz, an dem das „militant-faschistoid“ geführte Herrscherhaus Capulet mit einer jungen, revoltierenden „Streetgang“ der Montagues konfrontiert wird. Die Liebe zwischen der von ihrer Familie wie eine Gefangene gehaltenen Julia und dem dagegen anrennenden Romeo hält den verstellten Wegen und unüberwindbaren Grenzen dieses Verona nicht stand und führt zum unausweichlichen Tod der Liebenden. Doch zuvor vollführen beide einen verzweifelten, aufbegehrenden Tanz aus taumelndem Glück und entrücktem Schweben über einem Abgrund aus Angst.

Sergej Prokofjews vielleicht bedeutendster Beitrag zur Gattung des Balletts wurde 1938 in Brünn uraufgeführt. Die Komposition zeigt in ihren dissonant aufgeladenen, mächtigen Ritualen deutlich eine Zeit der drohenden Katastrophe. Alle innige und zarte Musik der Liebenden wird hieran schroff gebrochen.


Vergangene Termine