Pop / Rock · Jazz · Diverse Musik

Roedelius 80 & 1


Ein Fest von und für Freunde(n) mit: Tempus Transit (mit Stephan Steiner & Albin Paulus von Hotel Palindrone), Heidelinde Gratzl (Wiener Ziehharmoniker, Wiener Glüh'n), Thomas Rabitsch & Co, Michou Friesz, Tim Story, Christoph Mueller (Gotan-Projekt), Christopher Chaplin, u.a.

Der 25. Oktober ist der letzte Tag, an dem der Elektronik-Pionier noch 80 ist und begeht demgemäß am 26. seinen 81. Geburtstag. Wir gratulieren und feiern den Elektronik-Pionier! CH

Am 26. Oktober ist Hans-Joachim Roedelius 80 Jahre alt geworden. Ein Alter, in dem manche Menschen ihre Tage vor dem Fernseher verdösen oder mit alten Freunden Kaffee trinken. Roedelius hingegen ist immer noch nicht nach gemütlichem Ruhestand. Es wäre ihm zuzutrauen, dass er an seinem Geburtstag ein Konzert gab (Tokio? Erkelenz?) oder im Studio an frischer Musik arbeitete.

"Und wer ist dieser Roedelius?", werden sich vermutlich viele fragen. Denn der 1934 in Berlin geborene musikalische Abenteurer wird hierzulande viel weniger beachtet als im Rest der Welt. So wie die meisten der sogenannten Krautrocker - jene deutschen Künstler, die Ende der Sechzigerjahre mit einer Musik loslegten, die bis heute einzigartig klingt und nichts von ihrer Faszination verloren hat. Bemerkenswert ist auch, dass die meisten der Krautrocker auch noch im hohen Alter ziemlich rege sind und in regelmäßigen Abständen neue Arbeiten veröffentlichen oder Konzerte absolvieren.
Roedelius war Mitglied der legendären Bands Kluster, aus denen Cluster wurde, und Harmonia, die auch mit Brian Eno im Studio arbeiteten. Obendrein spielte er eine beeindruckende Menge von Soloalben ein. Pünktlich zu seinem Geburtstag erscheint unter dem Namen "Kollektion 02" nun eine feine Auswahl seiner Solo-Ausflüge, die der nachgewachsene schottische Barde Lloyd Cole kuratiert hat: 15 instrumentale, elektronische Kompositionen, die in ihrer entrückten Verspieltheit von verblüffender Zeitlosigkeit sind.

Ähnlich unermüdlich geht der 1949 in Casablanca geborene Jean-Herve Peron zur Sache. Der landete Ende der Sechziger in Norddeutschland und legte dann in Wümme mit einer Handvoll Gleichgesinnter als Faust los. Mit ihrem Anarcho-Freidenker-Art-Rock beeindruckten sie sogar Virgin-Boss Richard Branson, sie gelten heute als eine der einflussreichsten Bands des Krautrock.

Nach allerlei Zank hinter den Kulissen firmieren dieser Tage noch Peron und Werner "Zappi" Diermaier als Faust. Wie energiegeladen sie noch sind, illustriert ihr Ende November erscheinendes neues Album "jUSt", das so kompromisslos und elektrisierend daherkommt wie zu ihren besten Zeiten.

Zugänglicher, aber nicht weniger energisch geht Helmut Hattler zur Sache. Der Bassist, 1952 in Ulm geboren, startete 1970 mit Kraan, deren frühe Aufnahmen auch den Krautrock streifen. Später gastierte er noch bei Guru Guru und war dann mit dem Acid-Jazz-Duo Tab Two erfolgreich. Dieser Tage ist Hattler meist immer noch irgendwo auf Tournee, was sein vitales neues Live-Album "Live Cuts II" eindrucksvoll dokumentiert.
"Die Freiheit der Musik ist uns geschenkt worden, und wenn man das so annehmen kann, hat man lange großen Spaß", hat Hans-Joachim Roedelius sein Schaffen mal kommentiert. Dem ist nichts hinzuzufügen. (Der Spiegel)


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