Kunstausstellung

RobertBubel - In Search of Forgotten Places


Ein anderer Stil oder Epoche sowie ein neuer Trend ist in der Regel eine Negation des Vorhergehenden. Und so nannte man das XX. Jahrhundert die Ära der Ismen, es war eine Zeit der Experimente, die Entwicklung neuer geistigen Strömungen und künstlerischer Konzepte. In ähnlicher Weise ist es im Schaffen eines Künstlers als suchendes Individuum. Es erfolgen Durchbrüche und auch Rückzüge von früher akzeptierten Annahmen. Dieses Geschehen ging auch nicht am Künstler Robert Bubel vorbei, dessen neuesten Werke - das Resultat einer jahrelangen Suche - wir in der Galerie Sandhofer sehen.

Robert Bubel schöpfte in seiner über 20-jährigen künstlerischen Laufbahn seine Inspiration vor allem aus den künstlerischen Tendenzen der ersten und zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Er profitierte von den koloristischen Erfahrungen der Krakauer Kapizten (eine Gruppe junger Maler aus der Werkstätte von Jozef Pankiewicz, die mit dem Pariser Impressionismus verbunden war), unter anderem Jozef Czapski um sich dann von dem abstrakten Expressionismus fasziniert zu zeigen. In seinen Werken, vor allem vor dem Jahr 2011, zeigt sich der Einfluss der kalligraphischen, abstrakten Gemälde eines Franz Kline und auch die lockere Expression der formlosen Kunst von Antoni Tàpies, Meisters des Informellen.

Als nun reifer Künstler, nach der Erfahrung der Abstraktion und ihrer auf Zeichen reduzierten Darstellungen, wandte sich Bubel der traditionellen Figuration zu. Aus dieser Zeit finden wir in seinem Portfolio viele Porträts und Akte, in den Folgejahren sind es Landschaften, und in seinen neuesten Werken widmet er sich dem Studium der menschlichen Erfahrungen und Emotionen, der räumlichen Beziehungen in der Architektur und der Kraft der Natur.

Die aktuelle Kunst von Robert Bubel ist eine Kombination aus figurativen und abstrakten Elementen. Und wie er selbst sagt: „Ein Bild ist eine in bestimmter Reihenfolge mit Farben bedeckte Ebene. In diesem Sinne ist jedes Bild für mich ein abstraktes Bild.“ Mit diesen Farbebenen schafft Bubel jedoch Kompositionen mit einem sehr hohen emotionellen Klang. Dieses von ihm herbeigeführte Spiel der Emotionen zeigt sich in den spannungsgeladenen Situationen des Alltags, die gewöhnliche menschliche Angelegenheiten betreffen. So sehen wir Jungen auf Fahrrädern, auf den Betonplatten in der Nähe der Wohnblöcke fahrend, einen Bahnhof, Straßen, eine Tiefgarage, im Winter auf einem Fußballplatz Fußball spielende Kinder. Oft wiederholen sich die Elemente der Straße, es kommen Szenen vor, wie aus der Sicht eines Fahrers oder Beobachters, der auf der Überführung stehend von oben den Sonnenuntergang über der Autobahn fotografiert. Eine Tiefgarage von einem hinteren Winkel aus beobachtet. Wir fühlen uns wie ein Voyeur von diesen in den meisten Fällen unbewohnten Orten, und haben den Eindruck, dass hinter der Wand, gleich jemand auftauchen wird und uns in flagranti erwischt.

Diese Leinwände sind wie mittels eines Fotoapparats eingefangene Ausschnitte von Szenen: Bäume im Wind, Straßenlaternen zur Abendzeit gezündet, ein bewölkter Himmel den kommenden Sturm ankündigend, die Wechselzeiten von Tag zur Nacht. Dadurch sind sie wie Fragmente von Erinnerungen: Wir erinnern uns nicht an den Kontext der Situation, aber in unserem Kopf spukt ein Bild herum – solch einen Eindruck hinterlassen die Bilder des Künstlers.

Robert Bubel nutzt die „Öl auf Leinwand“-Technik und erreicht eine texturell reiche Oberfläche des Bildes. Mit ziemlich breiten und energischen Pinselstrichen werden die wesentlichen Fragmente, oder jene mit der größten emotionalen Ladung behandelt. Seine Bilder sind oft monochrom, in den Farbtönen Grau und Blau, aber mit einem deutlichen Akzent einer kontrastierenden Farbe versehen. Dieses Element fängt die Aufmerksamkeit des Betrachters, es ist wie ein Clou der ganzen Präsentation und der Geschichte, die der Künstler erzählt und spiegelt sich im Titel des Werkes. Diese Tendenz finden wir in der orangen Farbe des Ballons im Werk „Before flight“, sowie dem roten Hemd des Jungens auf dem Fahrrad im Bild „Concrete“ oder in der Farbe der Lichter auf der Kreuzung im Werk „Nice clouds dad“. Zusätzliche Expression und emotionelle Spannung wird den Bildern durch die Anwendung der diagonalen Komposition verliehen. Sie sind Ausdruck implizit dynamischer Entwicklungen, wie etwa der Himmel vor dem Sturm, von welchem – glauben wir – gleich der Regen fällt.

Das ganze Schaffen Robert Bubels konzentriert sich auf die subjektiven Emotionen und das Auslösen einer inneren Bewegung bei dem Betrachter. Die Quelle der Inspiration, der Alltag – das Erlebte, die Erinnerungen, die Beobachtungen - sind der Ausgangspunkt für eine Verständigung zwischen dem Künstler und dem Betrachter. Universale, alltägliche Dinge erscheinen plausibel, der Zuschauer kann sich mit ihnen identifizieren und eine Relation mit der Thematik der Leinwand aufbauen. Wie der Künstler selbst sagt: „Das was individuell erlebt und vom Künstler weitergegeben wird, wird zu einem gemeinsamen Erlebnis.“ Daher werden auch die im Titel „Vergessenen Orte“ - unterschätzt oder im Alltag unbemerkt - zum Grund für die gemeinsame Diskussion und Kontemplation.

Sandra Zagajna


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