Kunstausstellung

Tess Jaray - Return to Vienna


Seit mehr als 60 Jahren widmet sich Tess Jaray in ihrer formal reduzierten Malerei der Analyse der Beziehungen zwischen Malerei und Architektur, zwischen Bild und BetrachterIn.

In England, wo die Künstlerin seit 1938 lebt, ist sie nicht zuletzt durch ihre zahlreichen Aufträge im öffentlichen Raum wie der Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes der Victoria Station in London oder des Centenary Square in Birmingham einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Ihre Werke sind in wichtigen Sammlungen wie der Tate oder dem British Museum vertreten.

In Österreich, wo die Künstlerin 1937 geboren wurde, ist sie bislang so gut wie unbekannt, womit sie das Schicksal vieler österreichischer EmigrantInnen teilt: 1938 floh die jüdische Familie vor dem NS-Regime nach England, wo Jaray im ländlichen Worcestershire aufwuchs, aber bereits sehr jung zum Kunststudium nach London ging und an den angesehenen Kunsthochschulen Saint Martins School of Art (1955–57) und Slade School of Fine Art (1957–60) studierte, unter anderem noch bei Ernst H. Gombrich, einem der einflussreichsten Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts. An der Slade wurde sie 1968 als erste Frau in den Lehrkörper aufgenommen, wo sie bis zur ihrer Emeritierung 1999 unterrichtete. 2011 wurde sie zum Mitglied der Royal Academy ernannt.

Prägend für Jarays lebenslange Erforschung des Raumes in der Malerei, der sie bis heute nachgeht, war ein mehrmonatiger Studienaufenthalt im Jahr 1960 in Italien, wo sie erstmals die Malerei der Renaissance in ihrem Kontext, der Architektur, begegnete. Die Beziehung zwischen dem architektonischen Raum der Bilder und der realen, sie umgebenden Architektur, die auf mathematischen, rationalen Grundlagen beruht (von denen sie behauptet nichts zu wissen), beeindruckte sie ebenso nachhaltig wie die Klarheit einfacher Linien. Sowohl in ihrer Malerei als auch in ihrem umfassenden grafischen Werk – das aus Drucken und Zeichnungen besteht – ist dieses Spiel mit einfachen geometrischen Formen und Linien, die Perspektive und Raum erzeugen, zu erkennen.

Neben der italienischen Malerei und Architektur der Renaissance wurden für Jaray auch die Formensprache und die formale Abstraktion in der islamischen Kunst, die sie auf zahlreiche Reisen erkundete, zu einer nachhaltigen Quelle der Inspiration. Geometrische Muster, Wiederholungen, die Möglichkeit, unendlich viele Variationen durch minimalste Veränderungen der Parameter zu erzielen, zeichnen das oft mit wenigen Strichen, Punkten oder Farbflächen gestaltete Werk der Künstlerin aus. Der repetitive Charakter und die extreme formale Reduktion, die Andeutung von Raum und Architektur verleiht den Kompositionen etwas Rätselhaftes. Jarays Werk ist eine empirische Erforschung der Wirkungen von Geometrie, Muster, Wiederholung und Farbe auf den Raum und die BetrachterInnen.


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