Kunstausstellung · Fotografie Ausstellung

Reinhard Mandl – Wien.blicke


Sieben Jahre lang wanderte Reinhard Mandl auf fotografischer Erkundungstour durch Wien. 180 Fototage und 18 000 Fotoaufnahmen später präsentiert er im MUSA Momentaufnahmen, die für ihn dem vielfältigen Charakter der Stadt am ehesten gerecht werden.

Wohlvertraute Sehenswürdigkeiten stehen nicht im Vordergrund, es sind die kleinen Dinge des Alltags und ihre wenig wahrgenommen Veränderungen, die Reinhard Mandl interessieren. „Wer keine Einzelheiten sehen kann, erfährt wenig über das Wesen der Stadt“, so Mandl.

Lebendige Städte verändern sich kontinuierlich. Viele kleine Eingriffe verwandeln unser Stadtbild Tag für Tag. Reinhard Mandl transformiert solch flüchtige Momente des Wiener Großstadtlebens zu bleibenden fotografischen Erinnerungen. Der Fotograf erschließt sich die Stadt mittels alphabetisch nach Straßennamen gewählten, gut nachvollziehbaren Routen, buchstäblich von A bis Z.

Welche Überraschungen gibt es von der Abbégasse bis zum Baaderwiesenweg und warum ist gleich zu Beginn „fotografieren verboten“? Eröffnen sich beim Gang vom lärmenden Trubel am Calafattiplatz zur Dachauer-Straße tatsächlich neue Perspektiven auf Altbekanntes und wie ist er schlussendlich von der Ybbsstraße in die Zachgasse gelangt?

Zu jeder Jahreszeit haben ihn seine Fototouren kreuz und quer durch die Stadt geführt, durch vornehme Villenviertel zwischen Hietzing und Döbling genauso wie in die Welt der Obdachlosen, die bei Minusgraden unter den Brücken am Donaukanal in ihren Schlafsäcken überwintern. „Bilder, die etwas vom wirklichen Leben preisgeben“, so Mandl, „sind wichtiger denn je. Straßenfotos müssen nicht schön sein, aber einen zweiten, genaueren Blick sollten sie wert sein und diesem auch standhalten können. Gelungene Straßenfotografien halten der Gesellschaft einen Spiegel vor und haben viel mit der Lebensqualität in Großstädten zu tun.“

„Obwohl die Motive wortwörtlich auf der Straße liegen, gehen in Wien tagtäglich die unglaublichsten Straßenszenen für immer verloren, weil niemand zur Stelle ist, um diese witzigen, skurrilen, melancholischen Augenblicke festzuhalten.“ Nach Reinhard Mandls Erfahrung ergeben sich Straßenszenen ganz zufällig und ohne Vorankündigung. Es kommt darauf an, das Glück zu haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und den Moment einzufangen bevor er für immer verloren ist. Erzwingen lassen sich diese Momente nicht. „Letztendlich läuft immer alles darauf hinaus, möglichst viel Zeit mit der Kamera auf der Straße zu verbringen und geduldig zu warten.“

Seit vielen Jahren ist Reinhard Mandl fasziniert von „Wien-Blicken“, die unspektakuläre Eingriffe zeigen, die das Stadtbild im Laufe der Zeit verändern. Ihm geht es um Erinnerung. „Wenn es von den scheinbar unbedeutenden Ereignissen auf der Straße keine Bilder gibt, verblassen nicht nur persönliche Erinnerungen schneller, sie stehen auch der lokalen Geschichtsschreibung nicht als Bildquellen zur Verfügung.“

Die Ausstellung lädt ein, Reinhard Mandl bei seinem fotografischen Streifzug zu begleiten und einiges für sich neu zu entdecken.
WIEN.blicke

Beginn: 24.06.2014
Ende: 04.10.2014
Eröffnung: Mo, 23.6.2014, 19:00
Di, Mi, Fr. 11 bis 18 Uhr, Do. 11 bis 20 Uhr, Sa. 11 bis 16 Uhr


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