Jazz

Regina Carter & AMC Trio


Als Regina Carter mit den Aufnahmen zu ihrer Classic Crossover-CD „Paganini: After a Dream“ (Verve) begann, wurde Paganinis in den oberen Lagen unschlagbare „il cannone“ mit einer Polizeieskorte durch die engen Straßen Genuas ins Aufnahmestudio eskortiert. In Genua ließ man Regina Carter nach langem bürokratischen Hickhack nicht eher an die wertvolle Violine ran, bis sie nachweisen konnte, dass sie eine lange klassische Ausbildung in ihrer Heimatstadt Detroit längst absolviert hatte. Inzwischen ist man in Italien schon etwas lockerer. Vergangenes Jahr, als „Paganini: After A Dream“ weltweit erschien, durfte Carter die berühmte Geige immerhin unter gelockert strengen Sicherheitsvorkehrungen mit zu einem Konzert in ihrer Wahlheimat New York nehmen. Neben klassischen Stücken aus der Feder von Fauré („Pavanne“ oder „Après un rêve“) und Ravel finden sich auf der Paganini-Scheibe mit „Oblivion“ von Astor Piazzolla oder Filmmusik von Ennio Morricone auch neue Standards gehobener U-Musik. „Ich wollte eben keine Klassik mehr spielen, ich sehe dieses Album eher als eine Art Phantasie, als Improvisation einer Jazz-Musikerin“, deutet Regina Carter diese träumerische Platte, die durchaus Parallelen zur imaginären Folklore moderner europäischer Jazzmusiker wie Louis Sclavis oder Michel Godard zeigt.

In New York lebt Regina Carter (übrigens die Halbschwester des gefeierten Jazzsaxophonisten James Carter) seit 1992. Dort ersetzte sie den großartigen Billy Bang im avantgardistischen String Trio of New York (um James Emery und John Lindberg), spielte etwa in Cassandra Wilsons „Travellin´ Miles“-Tourband und arbeitete mit der Black Rock Coalition um Living Colour-Gitarrist Vernon Reid. „Als das String Trio of New York von mir forderte, mich komplett auf sie zu konzentrieren, zog ich es vor, intensiv meine Solokarriere voranzutreiben“, begründet Carter ihren Ausstieg beim String Trio of New York nach sechs Jahren.

Mit großem Erfolg seither. Nach „Rhythms of the Heart“(1998) und ein Jahr vor „Firefall“ (2001), ihrem hochgelobten Duo-Album mit dem legendären Jazz-Pianisten Kenny Barron, veröffentlichte Regina Carter ihr bislang stärkstes Werk: Das Soul-Album „Motor City Moments“: Dies ist Hommage und Beschwörung ihrer seit langen Jahren arg in der Krise steckenden Heimatstadt Detroit.


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