Theater

Raoul bleibt zum Essen


Rabenschwarzer Trash vom Feinsten, aus der Epoche vor AIDS, als die einzige Gefahr bei einem ausschweifendem Sexualleben das unerwartete Ende mittels Bratpfanne war, mit vielen unerwarteten Wendungen und Pointen nach dem gleichnamigen Kultfilm von Low-Budget-Genie Paul Bartel. Ach ja, und Raoul kommt auch drin vor.

Hedonismus ist angesagt im Los Angeles Anfang der Achtziger Jahre! Doch das biedere Ehepaar Bland- der bescheidene, aber ehrliche Paul, der seinen Job in einer Weinhandlung verliert, weil er die Kunden zu aufrichtig berät und die atemberaubende, aber keusche Mary, die sich als Krankenschwester standhaft aller Anträge von Ärzten und Patienten erwehrt, passen nicht in ihren Wohnblock voll erotisch enthemmter Swinger.
Sie träumen von einem Landgasthof- doch es fehlt am Bargeld, und selbst der Bankfilialleiter will erst mit Mary ins Bett, bevor er einen Kredit zusagt. Ein Zufall bringt die Lösung: Ein betrunkener Swinger, der sich in der Haustür geirrt hat und Marys Krankenschwesternuniform für ein Rollenspiel-Outfit hält, kann von seinen unerwünschten Zudringlichkeiten nur durch einen Notwehrschlag Pauls mit der Bratpfanne abgewehrt werden- und in den Taschen des überraschend Verblichenen finden sich 1400 Dollar... Für unser harmloses Protagonistenpaar tut sich eine gewagte Geschäftsidee auf...

KRITIK

Was haben Swinger und Hundefutter miteinander gemeinsam? Die Antwort könnte uns Drehbuchautor, Schauspieler und Filmregisseur Paul Bartel geben – doch der lebt leider nicht mehr. Also sind wir auf die Wiener Scala angewiesen, wo Hausherr Bruno Max seine eigene Version von Bartels kultigem Sex & Crime-Spektakel auf die Drehbühne bringt.
Um sich den Traum vom eigenen Landgasthaus zu verwirklichen, mischt ein biederes – um nicht zu sagen stockkonservatives - Pärchen im beswingten LA der frühen 80er Jahre kräftig im Sex-Business mit: die beiden sorgen dafür, dass der kleine Tod zum großen wird, indem sie den zu sich nach Hause gelockten „Perverslingen“ mit einer Bratpfanne die Schädel spalten. Im zwielichtigen Raoul finden sie hingegen einen willigen Abnehmer der Leichen; und die Hundefutter-Industrie geht bei diesem Deal erst recht nicht leer aus. Allerdings wird die Geschäftsbeziehung durch einige erotische und eifersüchtige Differenzen getrübt und alles steuert auf ein schlagkräftiges sowie kulinarisch ergiebiges Finale zu.
Bernie Feit, diesmal so bärtig wie Lenin (aber eigentlich bloß im Paul Bartel-Look), spielt hingebungsvoll den kleinen Mordskerl von Bratpfannenschwinger; Selina Ströbele verkörpert die spröde Schönheit des Duos als komödiantische Bravourleistung, und Scala-Newcomer Philipp Stix versprüht gekonnt südländischen Charme, der sich gegen das häufig versprühte Fichtennadel-Raumspray locker durchsetzt. Man will gar nicht glauben, dass zuletzt nur 8 SchauspielerInnen vor uns stehen, um den Schlussapplaus entgegenzunehmen, denn das bunte Völkchen von Swingern, Weinhändlern, Dominas, Sexshop-Verkäuferinnen und Krankenpflegern erweckt den Anschein einer weitaus größeren Besetzungsliste.
Da sich die Ereignisse so hektisch überstürzen, gerät selbst die Bühne in Bewegung: dank dreier Dreh-Elemente erleben wir sozusagen im Wandumdrehen rasche Szenenwechsel und Regisseur Max ist auf einen besonders netten Dreh verfallen, wenn er seine beiden mörderischen Protagonisten ihre Wohnung betreten lässt. Das muss man einfach selber gesehen haben, denn die genaue Erklärung wäre hier viel zu kompliziert und würde höchstens ein paar verdrehte Sätze hervorbringen.
franco schedl

Regie & Bühne: Bruno Max Kostüme: Alexandra Fitzinger Musik: Fritz Rainer Maske: Margit Sanders Regieassistentin: Cornelia Slauf Kostüm Assistenz: Caroline Obernigg Mit: Bernie Feit, Selina Ströbele, Robert Notsch, Christoph Prückner, Claudia Marold, Sybille Kos, Michael Reiter, Philipp Stix.


Vergangene Termine