Neue Klassik

Quatuor Bozzini - Konzertinstallation


Bei aller Diversität der künstlerischen Ansätze bildet das Komponieren mit reiner Stimmung, mit Mikrointervallen, Schwebungen und Differenztönen die Klammer alle Werke im Konzert des Quatuor Bozzini aus dem kanadischen Montreal.

Von Walter Zimmermann, der das Erbe nordamerikanischer Avantgarde höchst originell seinem europäischen Denken anverwandelte, sind zwei Stücke von 1977 aus dem Zyklus Lokale Musik zu hören: Zehn Fränkische Tänze und Keuper bearbeiten, musikalisch und metaphorisch, angepasst an reine Stimmung und teilweise mit skordierten Instrumenten und Flageoletts, Tanztypen und charakteristisches Gestein aus der fränkischen Heimat des Komponisten. Gradients of Detail der Kanadierin Chiyoko Szlavnics ist dem Bozzini Quartett gewidmet. Es bezieht seine rätselhafte, faszinierende Spannung aus der Langsamkeit von Glissando-Verläufen, die gegen Liegetöne gesetzt sind. So entsteht ein reiches Geflecht an pulsierenden Schwebungen und Differenztönen. Grundlage der Kompositionen sind bei Chiyoko Szlavnics hoch präzise, fein linierte, streng geometrische Tusche-Zeichnungen, die nicht als graphische Notation zu verstehen sind, sondern strukturelle und formale Verläufe detailliert darstellen. Das kurze, dennoch vielseitige Aspekte behandelnde Werk Skalen, Texte, Maß des Vorarlbergers Alexander Moosbrugger deutet schon im Titel auf die gründliche Auseinandersetzung des Komponisten mit der Interdependenz von Tonsystem, Textur, Proportion und Rhythmus an. Arbor Vitae (Baum des Lebens) ist die letzte, kurz vor seinem Tod 2006 abgeschlossene Komposition von James Tenney, der zu den führenden Vertretern der amerikanischen Avantgarde gehört. Arbor Vitae ist ein Kulminationspunkt und Konzentrat wesentlicher Elemente seines Schaffens. Das Stück arbeitet mit dynamischen Kontrasten und einem erweiterten Tonhöhenvokabular, das aus entfernten Primstufen der Obertonreihe gewonnen wurde. Am Ende des Programms steht die Uraufführung des schon 1984 entstandenen 7. Streichquartetts von Ben Johnston. Es stellt höchste Anforderungen an die Spiel- und Intonationskunst des Quartetts. Ben Johnston, geboren 1926, ist ein noch viel zu wenig beachteter amerikanischer Meister der Just Intonation. Er arbeitete zeitweilig eng mit Harry Partch zusammen und ist von ihm beeinflusst; er schreibt jedoch für konventionelle Instrumente in einer eigenen Notation.


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