Kunstausstellung

Quartalshouse


Die aufgewühlten Akteure aus den Bildern Michael Horskys werden von Christian Hutzingers geometrischen Farbflächen in den imaginären Raum zitiert, der zwischen den gezeigten Werken im Ausstellungsraum entsteht, und dort zur Ordnung gerufen.
Horskys Bilder wehren diese Disziplinierungsmaßnahme ab mit dem Hinweis, dass sie es immerhin schaffen, mittels der ihnen eigenen Farbordnung und im Nebel verschwindender und aus dem Nebel dann wieder ganz anders auftauchender Realitätselemente das Feld der Psychologie auf ungewohnte Weise miteinzuschließen.
Ausserdem erwähnen sie, dass sich Hutzingers Ordnungssysteme ständig selbst in Frage stellen.

Hutzingers Bilder werden aber ohnehin durch die Malereien Isa Schmidlehners mit einem Disput über das Ornament als bildaufbauendes Element abgelenkt.
Hutzingers Ornamente bevorzugen es, sich wie monolithische Denkmäler aufzustellen. Schmidlehners Ornamente schlingen sich schleppnetzartig um Figuren, Frottagen aus der Zeitung, gezeichnete Erzählungsteile und lösen sie ineinander auf.
Die Zeitungsausschnitte bringen oft eine Tagesaktualität ins Spiel, die aber durch das Zusammentreffen mit gemalten Zitaten aus Altmeisterbildern in eine andere Zeitlichkeit gerät.
Bei dem Wort „Tagesaktualität“ fühlen sich Anna Meyers Bilder gleich angesprochen und rufen quer durch den imaginären Raum, dass in Anna Meyers Modellen auch gefundene Gegenstände, die nicht für Zeitlosigkeit, sondern für Zeitgebundenheit stehen, integriert sind und auch in den Malereien viele tagespolitische Inhalte auftauchen; allerdings relativiert durch das Wie der Malerei, in dem das Wissen über malerische Vergangenheit und Gegenwart mit einem eigenen Blick darauf verschmolzen ist.
Beatrice Dreuxs Bilder verweigern, sich auf diesen Wettstreit über Tagesaktualität einzulassen. In dem Nichtthema „Blumenstilleben“ manifestieren sie die Behauptung, dass Gegenwart und Zukunft in jedem Fingerabdruck genauso enthalten sind wie in einem Weltraumanzug, ein Ausdrücken gegenwärtigen Lebensgefühls durch den selbsterzeugten malerischen Raum ohne thematische Rückendeckung.
Lotte Lyons Objekte holen die Debatte endlich mal weg von der Wand.
Zur Verfeinerung von Lotte Lyons präziser Fähigkeit des Andeutens haben viele lange Aufenthalte in Japan beigetragen, wo die visuellen Entsprechungen Zen-buddhistischer Vorstellungen im Alltag die Gesellschaft bis in die Ästhetik der Gebrauchsgegenstände durchdringen.

In Lyons Objekte fließen derartige Erfahrungen gemeinsam mit Reflexionen über den Gebrauchswert von Gegenständen ein.
Gerlind Zeilners Kasten- und Tischobjekte hängen sich an die Überlegungen zu Brauchbarkeit und ihrer visuellen Entfremdung gleich dran. Ähnliches gilt für die Malerei: Was ändert die Bildvorstellung, die zur spezifischen malerischen Formulierung führt, an der inhaltlichen Ursprungsidee der Images (wie z.B. Bar, Saloon, Wappen Comichelden...)?
Georg Frauenschuhs genähtes "Plakat": "Talk Trilogy (autonomes Bühnenelement)" begnügt sich nicht mit der Wirkung im imaginären Raum, es biegt sich von der Wand in den realen Ausstellungsraum hinein.

Dennoch stellt es, ermutigt durch seine abstrakte Wesensart, die seine inhaltliche Ebene zugleich vergessbar und lesbar macht, auch Ansprüche auf Einfluss im imaginären Raum. Ausserdem liefert es Hinweis und "Kulisse" für die in der Ausstellung geplante Diskussions-(und Konfrontations)veranstaltung über Gegenwartsmalerei und ihre Erweiterungen.


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