Jazz

Poogie Bell Band


Suga Top

Poogie Bell: drums

Bobby Sparks: keyboards
Patches Stewart: trumpet
Tony Watson: saxophone
Mey: vocals

„Suga Top“ ist der Slang-Name für einen „schwarzen“ Stadtteil in Pittsburgh. Der Hill District, so die reguläre Ortsbezeichnung, liegt auf einem der Hügel, die das Stadtbild der einstigen „Steel Town“ in den USA prägen. Es ist eine dieser afroamerikanischen Communities, wie sie bis heute mit ihrer Mittelklasse-Bevölkerung in vielen US-Städten zu finden sind.

1961 wurde Poogie Bell in „Suga Top“ geboren. Die Atmosphäre dieses Stadtteils in Pittsburgh sollte den jungen Poogie prägen: mit ihrem Zusammenhalt durch die Nachbarschaft der Menschen und Bewohner von „Suga Top“, mit ihrer Kultur im Allgemeinen und der Musik im Besonderen, wie es sie dort zuhauf zu erleben und zu hören gibt; allen voran Gospel und Soul, beides geradezu Identität stiftend für die Menschen im Hill District, aber auch Soul, Funk und vor allem Jazz – sein Vater Charles Bell war ein veritabler Jazzpianist. Kurzum: In Suga Top liegen die Wurzeln auch des Schlagzeugers Poogie Bell.

„Authentizität“ – das ist das Stichwort, das sich zeitlebens wie der sprichwörtlich „rote Faden“ durch die Karriere des Schlagzeugers Poogie Bell ziehen sollte. Sei es in den verschiedenen Bands des E-Bassisten Marcus Miller, dessen ausgeklügelte Jazz-Fusion er fast 20 Jahre lang am Drumset sitzend die Bodenhaftung gab, oder sei es in der „Super-Group“ SMV mit Stanley Clarke, Marcus Miller und Victor Wooten, deren solistische Höhenflüge auf dem E-Bass er mit lässiger Eleganz und reduziertem Spiel die Erdung gab.

Für Poogie aber, der in seiner langjährigen Laufbahn als Sideman unter anderem auch noch für Tom Browne, für Chaka Khan, David Sanborn, Keith Sweat und vor allem Erika Badu „schwarze“ Jazz- und Popmusik aus den USA mitbestimmte, sind zwei nicht alltägliche Kooperationen von großer Bedeutung: die mit dem südafrikanischen Trompeter Hugh Masekela, mit dem er auch mit der als „Mama Africa“ genannten Miriam Makeba durch dessen Heimatland tourte, und mit der Sängerin aus dem westafrikanischen Benin, Angélique Kidjo.

Diese Erfahrungen haben ihn als afroamerikanischen Musiker noch enger mit der Polyrhythmik Afrikas verbunden.
Es würde zu kurz greifen, wenn man Poogie Bells neue CD „Suga Top“ – sein mittlerweile fünftes Album als Leader – bloß unter dem Stichwort „Biografie“ hören will. Die 15 Stücke bilden vielmehr die Quintessenz von Poogies bisheriger Laufbahn: mit ihren Ingredienzen aus Funk und Soul, aus Blues und Pop, verbunden durch den Spirit des Jazz. Vor allem aber gräbt sich Poogie tief in die eigene (Familien-) Geschichte.

Wie es der Albumtitel andeutet, betrachtet Poogie Bell, der 2001 mit seiner Familie in seine Geburtsstadt zurückgekehrt ist, all seine Erlebnisse und Erfahrungen noch einmal neu, die er als kleiner Junge im Hill District von Pittsburg machen könnte – aber durch die „Brille“ eines heute 52-jährigen, afroamerikanischen Musikers. Deshalb öffnet sich des Öfteren eine angedeutete Gospelphrase gegenüber der Soulmusik, oder ein kraftvoll getrommelter Backbeat-Groove fließt in einen blau getönten Blues.

Mit zur authentischen Atmosphäre von „Suga Top“ trägt natürlich die Band bei. Zum einen, weil das Gros der beteiligten Musiker – Bobby Sparks an den Keyboards etwa, oder die Saxofonisten Chris Hemmingway und Keith Anderson und der anerkannte Jazztrompeter Michael „Patches“ Stewart – mal mehr, mal weniger auf einen konkreten Gospel-Background zurückschaut. Zum anderen, weil Poogie bewusst den Geist einer afroamerikanischen Community mit ins Studio nehmen wollte: mit den vergleichbaren Erfahrungen, die sie als schwarzer US-Bürger ebenso wie als Musiker gemacht haben.
Nur so lässt sich ein ausdrucksstarkes Songmaterial wie das von „Suga Top“ einspielen. Meistens gab es nur einen schlichten Grundgedanken – mal eine prägnante melodische Phrase, mal einen pluckernden Groove, dann wieder eine knappe harmonische Wendung –, über den die Musiker bei laufender Aufnahme jammten. Dadurch hat die Band einen kreativen Produktionsprozess in Gang gesetzt, an dessen Ende der fertige Song stand – wie zum Beispiel „Claude On A Sunday“ oder „Greasy Chicken“, eine gleichsam „intuitive“ Paraphrase von D’Angelos Hitnummer „Chicken Grease“. Und nicht zu vergessen: die Sängerinnen, die Poogie Bell zur Produktion von „Suga Top“ eingeladen hat. Allen voran Mey, die – als bulgarisch-stämmige Vokalistin (sic!) – tief in der Tradition afroamerikanischer Pop- und Jazzmusik steht.

„Suga Top“ ist aber auch eine Art „Manifesto Of Groove“. Denn dieses rhythmische Phänomen ist beileibe kein Mythos, der nicht erklärbar oder spielbar ist. Für Poogie Bell bedeutet es jedenfalls kein Problem zu grooven. „Mit der Bassdrum setze ich mich auf die oft nur ,gefühlten‘ Viertelnoten vom Bass, um die Basis für die Musik zu schaffen“, erklärt er. „Sobald die Verbindung zwischen Bassdrum und Bass hergestellt ist, lassen sich auf den Drums linke und rechte Hand variabel einsetzen. Wenn zum Tandem Bassdrum/Bass etwa die Rechte vor dem Beat das Becken schlägt und die Linke ,laidback‘ die Snaredrum spielt, dann beginnt die Musik plötzlich zu atmen und zu leben.“ Auch von diesem „Wunder“ erzählt „Suga Top“.


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