Theater

Philoktet


Philoktet ist keiner mehr von ihnen, kein Kriegsheld und kein Freund. Doch dann sind sie wieder da, der einstige Kriegsfreund und sein jugendlicher Begleiter. Philoktet hatte als einer der Argonauten Jason auf der Suche nach dem Goldenen Vlies begleitet und am Trojanischen Krieg teilgenommen.

Bei einer Rast seiner Kampftruppe wurde er jedoch von einer Natter gebissen. Seine Schmerzensschreie und den Gestank seiner Wunde nicht ertragend, ließ ihn Odysseus auf der Insel Lemnos zurück, um die Weiterfahrt nicht zu gefährden – ein Todesurteil für den einstigen Kriegskameraden. Philoktet konnte auf der Insel dank seines Bogens und dessen Giftpfeilen jedoch am Leben bleiben. Neun endlose Jahre lang. Als Odysseus im zehnten Jahr des Krieges prophezeit wird, dass dieser nur mit Hilfe der Pfeile des einstigen Kameraden zu gewinnen sei, kehrt er in Begleitung von Neoptolemos auf die Insel zurück, um den Bogen des Philoktet mit List und Überzeugungskraft an sich zu bringen. Was nun beginnt, ist ein Kampf dreier Menschen, deren Reden und Handeln die Grenzen der Ethik nur allzu deutlich werden lassen. Was am Ende bleibt, sind falsche Ideologien, Machtmissbrauch, Lüge und Gewalt. Ein Krieg der Weltanschauungen. Drei Positionen: der Funktionär, der Moralist und das gebrochene Individuum. Wer trägt den Sieg davon und wird zum Held der (eigenen) Geschichte?

Calle Fuhr, der in der letzten Spielzeit u. a. Von den Beinen zu kurz von Katja Brunner in der Roten Bar erfolgreich in Szene setzte, gibt sein Regiedebüt im Volx/Margareten. In seiner Inszenierung des 1968 uraufgeführten Stückes, das Heiner Müller selbst als Tragikomödie bezeichnete, sucht er nach den Rhetoriken des Krieges von damals und heute.

von Heiner Müller
Regie Calle Fuhr

Bühne und Kostüme Amelie Sabbagh
Dramaturgie Angela Heide

mit Sebastian Klein (Odysseus), Stefanie Reinsperger (Philoktet), Luka Vlatkovic (Neoptolemos)


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