Kunstausstellung

Philippe Van Snick


Der Grazer Kunstverein feiert sein 30-jähriges Bestehen und beginnt sein Jubiläumsprogramm mit einer großen Einzelausstellung des belgischen Künstlers Philippe Van Snick (geb. 1946, Gent) als Fortsetzung seiner Erkundung des Begriffes der sozialen Abstraktion.

Die Ausstellung erfasst fast fünf Jahrzehnte und spürt Entwicklungen im äußerst konsistenten Werkkorpus des Künstlers nach, der am besten für seinen post-minimalistischen Ansatz zur Malerei bekannt ist. Die Ausstellung ist die erste Präsentation des Künstlers in Österreich.

In den 1970er-Jahren entwickelte Van Snick ein Interesse an systematischen Methodologien, die ihn dazu bringen, ein konsistentes System aus Farben und Zahlen zu formulieren. Aus diesem System entwickelte er in den folgenden Jahrzehnten einen konstanten Werkkorpus. Für den Künstler sind sowohl Licht wie Farbe wissenschaftliche, objektive Beschreibungen wie auch subjektive Codes, die von unserer Alltagserfahrung inspiriert sind. Er untersucht das Konzept von Zeit, besonders den Dualismus zwischen Tag und Nacht und die Helligkeit und Dunkelheit, die ihr Vergehen bezeichnen, immer wieder in Arbeiten, die die experimentelle Beziehung zwischen dem Betrachtenden und seiner/ihrer Umwelt ins Zentrum rücken. Verortet im Bereich zwischen Malerei und Skulptur, invoziert die Arbeit des Künstlers die wichtigsten Problemstellungen des Modernismus dadurch, dass sie die Autonomie des Kunstwerks und die geometrische Abstraktion als universelle Sprache hinterfragt.

Die frühen konzeptuellen Fotografie- und Filmarbeiten Van Snicks bilden das Rückgrat der Ausstellung, in der Alltagsbeobachtungen abstrahiert und formalisiert werden. Durch frühe Studien und Explorationen in Form, Raum und Dynamiken entwickelt sich die Ausstellung hin zu Van Snicks tiefgreifender Beschäftigung mit Kosmologie und den Rhythmen des Alltags durch Farbe und Formen, beginnend Mitte der 1980er-Jahre. Die großformatige Installation Instability of Fundamentals (1990) nimmt einen der Haupträume der Galerie ein und fungiert als eine skulpturale Repräsentation der Serie Asymmetrische Dag en Nachtreeks (1987–1989). 1984 begann der Künstler, mit der Dualität des Phänomens „Tag“ und „Nacht“ zu arbeiten, die er symbolisch durch ein helles Blau und ein schwarzes Rechteck darstellte, die immer zusammen auftreten. Seit dieser Zeit entstand eine wichtige Werkserie, bei der eine reduzierte Realität die Fundamente des täglichen Lebens durch Abstraktion hervorhebt. Die Arbeit Instability of Fundamentals führt diese Vorstellung noch weiter, indem durch eine ständige Neuanordnung einzelner Partikel über Kosmologie reflektiert wird. Das Interesse Van Snicks an der Beziehung zwischen Größe, Volumen und den Betrachtenden wird schließlich mit einer Serie wie Territorium (1990), Punt (1992) und Groot Vertikaal (1999) ins Zentrum gerückt, die durch eine einfache Form das menschliche Maß und die Wahrnehmung symbolisieren. Die frühere Arbeit Indifférence orbitale (1979) nimmt den größten Teil der hinteren Galerie ein und besteht aus einhundert Gouache-Malereien auf Papier, die Rauten in unterschiedlichen Farben und verlängert zu verschiedenen Konfigurationen abbilden; diese Formen stammen aus einer fotografischen Serie, die die Hinterseite eines teilweise durch ein bunt gefärbtes Blatt bedeckten Hauses zeigen. Dieses streckt sich ähnlich einer Markise über das Haus und gilt als Modell für die Gouachen.

Philippe Van Snicks Solo-Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit De Hallen Haarlem (NL) co-organisiert, wo derzeit eine ergänzende Präsentation seiner Arbeiten zu sehen ist (16. Januar – 16. Mai 2016). Aus Anlass dieser Ausstellungen hat Van Snick eine Künstleredition erstellt, die für 50,- Euro bei beiden Institutionen erhältlich ist.


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