Alte Musik · Klassik

Phantasm


Das Debüt des britischen Ensembles Phantasm ist von A bis W eine Premiere. Denn nicht nur die Ausführenden gastieren erstmals im Wiener Konzerthaus, auch sämtliche Werke ihres Programms werden erstmals hier zu hören sein! Im Mittelpunkt steht dabei die spannende Begegnung mit einem «Outlaw» der Musikgeschichte: William Lawes (1602-1645), über dessen «Royall Consorts» (geniale Wunderwerke für das königliche Gamben-Ensemble) Charles Burney das Verdikt aussprach, sie gehörten zu den «trockensten, ungeschicktesten und nichtssagendsten Kompositionen», die je das Pech gehabt hätten, zu Papier gebracht worden zu sein. Dieses Vorurteil galt eine halbe Ewigkeit, ehe man sich Burneys akademische Autorität aus dem Kopf schlagen und aus dem Staunen über Lawes’ unorthodoxe Meisterschaft nicht mehr herauskommen sollte.

Programm
William Lawes
Sett Nr. 2 a-moll (Consort setts) (1979))

John Jenkins
Pavan Nr. 2 F-Dur
Fantasia Nr. 8 a-moll
William Lawes
Sett Nr. 8 F-Dur (Consort setts) (1979)
Thomas Tomkins
Fantasia Nr. 17
Pavan and Gailliard

William Lawes
Sett Nr. 10 c-moll (Consort setts) (1979))
Orlando Gibbons
Fantasia à 5 «In nomine»
Go from my window
William Lawes
Sett Nr. 6 g-moll (Consort setts) (1979))

«Aus einem Querkopf wird selten ein Versager», meint der schriftstellernde Kinder- und Jugendpsychiater Paulus Hochgatterer. Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen. Querköpfe denken anders, leben unangepasst und stoßen auf Widerstand.

In Wissenschaft und Kunst sind sie, «die ewigen Kinder», oft identisch mit den verschrobenen Genies, die ja bekanntlich nah am Wahnsinn leben sollen. Einer von ihnen war der 1690 in Florenz geborene Komponist und Geigenvirtuose Francesco Maria Veracini, dessen Oper «Adriano in Siria» die «Resonanzen» 2014 und damit unsere Parade kreativer Störenfriede in der Musik vom Mittelalter bis zum Barock eröffnen wird.

In ihren verschiedenen Ausprägungen begegnen uns Querköpfe bei diesen «Resonanzen» aber nicht nur als schrullige bis durchgeknallte Komponisten vom Format eines Jan Dismas Zelenka, Carlo Gesualdo, Alexander Agricola oder William Lawes; sie mischen sich auch – mehr oder weniger diskret – unter die Ausführenden: Europa Galante, Hopkinson Smith, Hiro Kurosaki, Concerto Copenhagen und viele andere Publikumslieblinge machen gemeinsam mit den Debütantinnen und Debütanten des britischen Gambenconsorts Phantasm, der deutschen Capella de la Torre und des Prager Collegiums 1704 Front gegen den musikalischen Mainstream – damals und heute.


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