Literatur

Petra Nagenkögel, Arturas Valudskis - Als uns die Dinge verließen


Die Unabschließbarkeit von Geschichte, die prägende Kraft kollektiver Erinnerung und das Flüchtige von Welt und Ich sind zentrale Themen im Roman „Physik der Schwermut“ des bulgarischen Autors Georgi Gospodinov. Gefasst in der Metapher des Labyrinths, verbindet er Zeiten und Räume, Geschichte, Mythos und Gegenwart. Möglich wird dies durch die überdurchschnittliche Begabung des Erzählers zur Empathie: Er kann und will sich einfühlen, kann in fremde Erinnerungen eintauchen und holt sie so aus dem Vergessen zurück.

Themen und Motive aus dem Roman verbinden sich in der Inszenierung von Arturas Valudskis zu Variationen auf nie erzählte Geschichten. Eingetaucht im „Jahrmarkt der Erinnerung“, erlebt die Erzählerfigur des Stücks, was andere vor ihr erlebt haben, vom mythologischen Minotaurus über den Großvater, der im Jahr 1917 irgendwo am Weg zurückgelassen wird, bis hin zu Momenten einer Kindheit im Bulgarien der 70er Jahre. Um weder vergangene noch gegenwärtige Momente dem Verschwinden in der Zeit zu überlassen, legt sie ein Archiv vergessener Dinge und Ereignisse an, die plötzlich ans Licht kommen und einfach nur gesehen werden wollen. Minimalistisch gestaltete, mit subtilem Aberwitz ausgestattete Bilder aus weit auseinanderliegenden Geschichten verbinden sich zu Urszenen menschlicher Existenz.


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