Pop / Rock

Palma Violets / Young Fathers / Merchandise / The Boys You Know / Olympique


Palma Violets | Keine Website, keine Tracks im Netz, kein Tonträger, kein Auftritt in den sozialen Netzwerken. Nur wer das Glück hatte, bei einer der Partys im Probekeller dabei zu sein oder sie in Londoner Clubs zu sehen, nahm Anfang 2012 von Palma Violets Notiz. Doch dann, im Herbst 2012, bekamen die vier Jungs aus dem Südosten Londons mit ihrer ersten Single "Best Of Friends" gleich den Ritterschlag der britischen Musikpresse. Der NME platzierte sie aufs Cover, kürte sie zur besten Rockband Englands und wählte den supereingängigen Garage-Rock-Smasher zur Single des Jahres 2012.

Selbiges war The Strokes anno '01, The Libertines '02 und den Arctic Monkeys '05 passiert. In welchen Fiebertaumel diese Bands in weiterer Folge stürzten, weiß jeder Spotify-Abonnent. Und die Fußstapfen der Genannten sind für Palma Violets keineswegs zu groß - musikalisch wie hypetechnisch. Mit dem schnell hingerotzten, nach ihrem Studio benannten Debütalbum "180" setzt das Quartett den hohen Erwartungen ganz einfach ein freundliches "F*** you" entgegen. Lieber öffnet man das nächste Dosenbier und tut, was man am besten kann: den brachialen Lo-Fi-Sound und rauen, unbeschwerten Charme von "Best Of Friends" zu verzwölffachen. Welche Party endet schließlich schon nach 3 Minuten?

In den spärlichen Tourpausen, die seitdem folgen, arbeiten Palma Violets bereits am Nachfolger von "180". Einige Songs, die auch live zu hören sein werden, stehen schon fest, ein halbes Album voll wurde aber wieder gekübelt, weil das Material zu gut, sprich zu erwachsen klang. "Bigger" soll das Album zwar werden, aber ohne den juvenilen Rock'n'Roll-Zunder aufs Spiel zu setzen. Wie der Schritt von "The Clash" zu "Give 'Em Enough Rope", sagt Bassist Chili Jesson.

Aber eigentlich sind Studioaufnahmen ja nicht gerade ihr Ding. "Es ist schrecklich, wir hassen es", bekennen sie. "Mal ehrlich, das Studio ist nicht der lustigste Ort der Welt - die Bühne, live spielen, das ist es."

Indeed, das ist es. Freuen wir uns auf den ersten Österreich-Landgang ever von den UK-Senkrechtstartern!

Young Fathers | Wie die Headliner des Abends hat auch dieses Trio aus Edinburgh seinen Karriereschub zu einem Gutteil dem NME zu verdanken. Dort wählte man nämlich auch deren Debütsingle "Straight Back On It" zum "Track Of The Week". Für Frontmann Graham Hastings sowie den in Liberia geborenen Alloysious Massakuoi und den aus Nigeria stammenden Kayus Bankole, die sich bei einer Underage-HipHop-Nacht kennengelernt haben, geht es seitdem Schlag auf Schlag. Es folgte ein prestigeträchtiger Auftritt beim Sónar in Barcelona, Europas größtem Elektronik-Festival, und eine Tour mit Simian Mobile Disco, zu deren Single "Turn Up The Dial" sie die Raps beisteuerten.

Seit Anfang 2014 ist nun "Dead", das erste Album von Young Fathers, in den Stores. Und allein die Tatsache, dass dieses bei den Feinkostlabels Big Dada und Anticon in Kooperation erschienen ist, zeigt schon, wohin die Reise geht: HipHop, allerdings in einer sehr avancierten Sicht der Dinge. Genres wie Psychedelic Pop, Soul, R'n'B, Grime und Electro werden bei Young Fathers wie tektonische Platten ineinander verschoben, bis daraus ein absolut singuläres Klangforschungsergebnis herauskommt. "Dead", so schreibt der Musikexpress treffend, ist "eine Feier zur Befreiung dessen, was wir früher HipHop nannten" und "eine Odyssee in das weite Feld links des Hauptstroms der Popmusik, wo sich ein nigerianisches Vokal-Ensemble gerade mit ein paar radikalen Beat-Schraubern misst." Man könnte auch sagen: Würden sich Shabazz Palaces auf einen Flirt mit der Pop-Welt einlassen, es würde klingen wie Young Fathers. Visionäre Popsongs getarnt als sonisches PsychHop-Abenteuer.

Merchandise | Die Band aus Tampa, Florida entzieht sich jeder vorschnellen Kategorisierung. Merchandise verbinden die Misanthropie des Punk - dem Umfeld, in dem sie sich 2008 formierten - mit dem Pop-Genius der 80er und streuen jede Menge Zwischentöne ein. Auf ihrem brandneuen, dritten Album "After The End", dem ersten beim ehrwürdigen 4AD-Label, unternimmt die vom Trio zum Quintett gewachsene Band einen wagemutigen Neustart und kreiert mächtige Noise-Pop-Juwelen mit wavigen Echos aus der Post-Punk-Ära. Joy Division, Echo & The Bunnymen, The Smiths und The Jesus & The Mary Chain lassen bei den Singles "Little Killer", "Enemy" und "Green Lady" (Best New Track bei Pitchfork) ebenso grüßen wie die Shoegazer-Fraktion.

"Eine radikale Transformation" (Dazed & Confused), die der charismatische Sänger Carson Cox gegenüber dem NME so begründet: "Unser letztes Album war das Ende des Buches. Dieses ist ein komplett neues. Es fühlt sich an wie eine neue Band zu gründen, nur mit dem gleichen Namen. Wir haben unsere Realität gesprengt - jetzt erfinden wir uns als Pop-Band neu, aber es wird weiterhin eine verzerrte Realität bleiben." Die Kritiker verneigen sich vor dieser Neuorientierung und wir tun es auch.

The Boys You Know | "Man muss tun was man liebt. Und was man kann. Immer und überall. Und was The Boys You Know können, ist nahtlos das Mutterjahrzehnt des Alternative Rock ins Youtube-Zeitalter zu übersetzen", schreibt der renommierte FM4 Moderator Robert Zikmund über das neue Album des Wiener Vierers. Und er hat auch ganz recht, wenn er weiter argumentiert, dass "Purple Lips" zeitgemäß ist ohne anbiedernd-modern zu klingen, hart ohne brutal zu sein, verträumt ohne kopflos zu wirken und ausgetüftelt ohne verkopft zu sein. Wenn du lieber Smashing Pumpkins hörst, anstatt dir das ach so coole EDM-Geschraube reinzuziehen, dann sind The Boys You Know genau die richtige Band für dich.

"The Boys You Know sind eine der spannendsten Sachen, die gerade so passieren und es muss schon viel schiefgehen, damit das langfristig nicht durch die Decke geht" (BR)

Olympique | ...das sind Fabian Woschnagg, Leo C. Scheichenost und Nino Ebner, ein in vielerlei Hinsicht ungewöhnliches Trio aus Salzburg, das man 2014 definitiv am Schirm haben muss. Ob durch die charismatische Stimme des Sängers, in der sich ebenso rockige Elemente wie melancholisch-weiche Facetten des Soul wiederfinden, oder durch die Verbindung von eingängigen Melodien, auflösenden Harmonien und treibenden Beats: Die drei erschaffen ein sphärisches Klanggemisch, dem sich kaum ein Zuhörer entziehen kann. Nach dem ersten Vorboten mit "The Reason I Came" (samt megaaufwendigem Videodreh) werden Olympique noch dieses Jahr ihr Albumdebüt releasen und auf Headlinertour im Frühjahr 2015 auch in den Posthof zurückkehren.


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