Oper · Theater

Orlando



Dramma per musica in drei Akten (1733)
Musik von Georg Friedrich Händel
Libretto nach Sigismondo Capeces Dramma pastorale Orlando ovvero La gelosa pazzia
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Neuproduktion des Theater an der Wien

Der Wahnsinn der Liebe kann einen Ritter auch ganz ohne Zauberei ergreifen, Magie bleibt dann oft aber das einzige Gegenmittel. Ganz schlimm erwischt es einen der besten Ritter Karls des Großen, den legendären Helden Orlando. Er wird dem Kampf gegen die Mauren in Spanien entzogen, als er sich in Angelica, die schöne Königin von Catar verliebt. Heldenhaftigkeit im Krieg gilt ihm nichts mehr, er hat nur noch die Eroberung dieser Frau im Kopf. Orlandos Erzieher, der Magier Zoroastro, hält von Liebe gar nichts und ermahnt seinen Zögling, nicht vom Weg des Ruhmes abzuweichen – allerdings erfolglos: Orlando hört nicht auf ihn, er meint, ein Kriegsheld kann sehr wohl auch ein Held in der Liebe sein, zumal wenn die Angebetete so schön und eine Königin ist. Leider erwidert Angelica seine Neigung nicht, sondern ersinnt viele Tricks, sich seiner leidenschaftlichen Werbung zu entziehen. Sie macht sich grundsätzlich nichts aus Helden, sondern hat sich in den weitgehend unbedeutenden, aber schönen und zärtlichen Medoro verliebt, der sie ebenfalls liebt. Die beiden sind glücklich und ritzen Herzchen mit ihren Namen in die Bäume. Das wiederum betrübt die Schäferin Dorinda, die sich in heftiger Sehnsucht nach Medoro verzehrt. Allmählich braut sich eine Katastrophe zusammen, denn Orlando argwöhnt langsam, dass sich Angelica für ihn überhaupt nicht interessiert. Einige Male kann Zoroastro seine eifersüchtige Wut gerade noch bändigen, aber als Orlando an den Bäumen die Zeichen der einvernehmlichen Liebe zwischen Angelica und Medoro bemerkt, verliert er vor Kummer und Eifersucht den Verstand und wird gefährlich. Schließlich randaliert er gegen Alles und Jeden. Er zerstört Dorindas Haus mit Medoro darinnen, und Angelica schleudert er in seinem Irrsinn in einen Abgrund. Zoroastre muss eingreifen und Orlando mit einem Zaubertrank aus seinem Liebeswahn erlösen. Nun ist der geheilte Held über sein Betragen entsetzt, und verzweifelt beklagt er Medoros und Angelicas Tod. Aber auch hier hat Zoroastre rettend gewirkt: Die Totgeglaubten kehren lebendig zurück, Orlando entsagt der Liebe zu Angelica und kehrt auf den Weg des kriegerischen Heldenmuts zurück.

Georg Friedrich Händel musste in den 1730er Jahren mit seinen italienischen Opern stark um die Gunst des Publikums kämpfen, aber das spornte ihn auch zu ungewöhnlichen Ideen an. Für Orlando griff er zum ersten Mal zu einer Vorlage aus Ludovico Ariosts Orlando furioso (1516-32), wegen des großen Bekanntheitsgrads dieses Epos’ hoffte er auf großes Zuschauerinteresse. Die verrückte Handlung erforderte den Einsatz der gesamten Theatermaschinerie und sollte die Schaulust des sensationsgierigen Londoner Publikums befriedigen, das ja auch zum Spaß ins Narrenhaus gingen. Händel lieferte ihnen dieses Erlebnis ab dem 27. Jänner 1733 im King’s Theatre am Haymarket mit seiner großartigen Musik versehen. Orlandos pathologischer Zustand war für Händel besonders anregend, konnte er doch für diese Figur neue musikalische Formen außerhalb des Opera seria-Schemas ersinnen. Es wurde sogar ein neues Instrument konstruiert: Händels Konzertmeister Pietro Castrucci erfand die Violetta marina, eine mit Resonanzsaiten ausgestattete Altgeige. Anders als in vielen anderen Zauberopern fungiert hier der Magier Zoroastre nicht als der Verursacher der geistigen Verrückung des Helden, sondern als sein Retter. Die Selbstüberwindung des Helden folgt am Ende dem Schema der barocken Oper, die Affektberuhigung zur Vernunft hin findet programmgemäß statt, aber Orlando schafft es nicht aus eigener Kraft, seine natürlich entstandene Verliebtheit zu besiegen, er braucht magische Hilfe. Insgesamt wirkt Zoroastre wie ein Experimentator, der mit seinen Versuchskaninchen in unterhaltsamem Anschauungsunterricht vorführt, wie unangebrachte Leidenschaft das Funktionieren der Gesellschaft behindert. Auch Dorindas und Angelicas Psychogrammen widmete Händel genaue Aufmerksamkeit. In auffallend positionierten, vielfältigen Accompagnati schildern sie ihre Empfindungen und Ängste. Die Oper präsentiert sich als ein unkonventionelles, dichtes Gewebe aus Accompagnati, Ariosi, Duetten, Terzetten und unterschiedlichen Arienformen mit vergleichsweise wenigen Rezitativen. Über Händels eigenwillige Struktur waren die Zeitgenossen ein wenig irritiert, jedoch erwies sich Orlando als eine seiner zukunftweisendsten Opern.


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