Oper

Orest


In "Orest" arbeitet Manfred Trojahn in einem eigenen Libretto den Mythos vom Muttermörder auf. Die zentralen Motive in der Version seines Musiktheaters liegen zunächst in seinem Interesse, „einen Grund für die Ereignisse zu finden, der (über die Abfolge von Tat und Rache hinaus, die sich ja durch alle Teile des Artriden-Mythos zieht,) einen Einblick vermitteln kann in die Voraussetzungen, die jene Handlungen auslösen, vor denen wir sprachlos stehen."

Die Hauptfigur des Dramas, Orest, ist ein Leidender, der sich von der Göttermacht zu emanzipieren sucht, er vibriert, so Manfred Trojahn, zwischen Fremdbestimmung und der Vision von einem neuen Leben: „Er macht nur einen Fehler: er meint, er könne die Schuld hinter sich lassen – und er wird erst spät bemerken, dass er mit der Schuld zu leben hat, um sie zu überwinden." Drei weibliche Figuren, Elektra, Hermione und Helena verkörpern divergierende Charaktere. Die männliche Göttermacht tritt als ein Doppel auf, Apollo und Dionysos, die zwei Seiten einer Figur darstellen: der politische Zyniker und der sinnliche Verführer.

Eine besondere Klammer bildet der musikalisch eindruckvolle Ausgangspunkt der Oper: ein Traumbild des in seiner Qual gefangenen Orest, eine Musik von sechs Frauenstimmen, zuweilen gekoppelt an sechs Soloviolinen, die klanglich den ganzen Zuschauerraum ausfüllen. „Ich habe vermieden, sie als Erynnien zu bezeichnen, denn ich denke eher an psychische Vorgänge ‚in' Orest als an mythische Fabelwesen. Und sie sind auch die multiplizierte Stimme Klytaimnestras. Diese Musik kehrt immer zurück, wenn Orest von seinen Gewissensqualen erreicht wird."

Der Schluss ist offen: „Ob Orest den Weg gefunden hat? Ich kann es nicht beantworten. Wie alle meine Opernhelden geht er am Schluss fort, ohne uns eine Antwort auf unsere Fragen zu geben."


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