Klassik

Österreichisches Ensemble für Neue Musik


Programm:

J. Kalitzke: Angels Burnout Graffiti
M. Tsangaris: Final Match (ÖEA)
C. Gadenstätter: Comic Sense (1. Staffel)

„Ein vergnügliches Stück voll köstlichen Humors“, titelte 1989 der Landbote Winterthur nach der Uraufführung. Der Wiener Komponist spart darin nicht mit Walzerseligkeit und Heurigenstimmung und imitiert nicht zuletzt Jodler, ohne je auf Tonalität zu verzichten. Gottfried von Einem zeigt hier – als einer der Letzten – mit Genuss, dass sie noch lange nicht erschöpft ist. Er ist Autor von Zeilen wie diesen: Bitte essen Sie, etwas, Vernünftiges. Kann man Vernunft essen? Das, was man vernimmt. Das, wenn man es malt, gewinnt. ...

Ein hoffnungsvoller Schriftsteller? Nicht ganz. Eigentlich nicht nur, denn bei Clemens Gadenstätter haben wir es eindeutig mit einer Doppelbegabung zu tun. Im Brucknerhaus tritt der 1966 in Zell am See Geborene als Komponist in Erscheinung.

Das Österreichische Ensemble für Neue Musik, kurz oenm, seit mehr als 35 Jahren international federführend bei der Aufführung von Zeitgenössischem, zeigt die erste Staffel seines Zyklus Comic Sense. Gadenstätter treibt hier das (scheinbar) Banale, in drei Staffeln unterteilt, auf die Spitze: Ganz gewöhnlich ist in dem Konzert für Klavier, Keyboard und Ensemble das Ausgangsmaterial, in der Durchführung freilich wird das klassische Klavierkonzert ordentlich aufs Korn genommen, vor allem in der ersten Staffel Grand Scherzo concertante, wenn sich die irren Läufe selbst verrennen ...

Zweifellos ins Ziel kam Manos Tsangaris 2011, als er das Final Match für drei Spieler mit Verstärkung seinem Mentor und Lehrer Mauricio Kagel zum 80. Geburtstag widmete. In Düsseldorf geboren, gehörte Tsangaris schnell zur Avantgarde, die regelmäßig zu den Donaueschinger Musiktagen und als Composer in Residence international eingeladen wurde. Auch Tsangaris hat ein äußerst erfolgreiches zweites Standbein, werden doch seine installativen und bildnerischen Arbeiten von wichtigen Galerien und Museen im In- und Ausland präsentiert.

Die Leitung dieses Brucknerhausabends übernimmt der Neue-Musik-Experte Johannes Kalitzke, der sich wiederum selbst als Komponist mit Angels Burnout Graffiti vorstellt. Das halbstündige Stück für zwölf Instrumente und portable Player wurde 2012 in seiner Geburtsstadt Köln uraufgeführt und verbindet reale, elektronische und historische Klangwelten, die überraschend intensiv und zugänglich auf den Hörer wirken, sind sie doch mit dem Augenmerk des Praktikers und Dirigenten entstanden.


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