Theater

Niemand


Horváth zeichnet einen surrealen Reigen: Nicht nur Dirnen, Kellnerinnen und Ganoven werden mit einem Wimpernschlag ausgetauscht, auch im bürgerlichen Leben übernimmt im Nu einer die Rolle des anderen.

Ödön von Horváth.

Niemand ist unersetzlich. Der eine kommt, der andere geht. So ist es auch im Zinshaus des Fürchtegott Lehmann. Der verkrüppelte Hausbesitzer und Pfandleiher ist an seine Wohnung gefesselt, da er die Stiegen nicht alleine bewältigt. Von seinen Mietern wird er gemieden, denn er gilt als raffgierig und unbarmherzig.

Dem Geiger Klein aus dem Dachgeschoß, der seine Miete nicht bezahlen kann, droht er mit Delogierung. Eines Tages steht die junge Ursula im Treppenhaus. Das verzweifelte Mädchen will zur Dirne Gilda, denn sie sieht in der Prostitution ihren einzigen Ausweg. Doch bevor sie den entscheidenden Schritt tun kann, trifft sie den gefürchteten Hausbesitzer.

Er lädt sie zu sich in den ersten Stock ein, Ursula bleibt und die beiden heiraten. Lehmann hat sie vor einer trostlosen Zukunft gerettet und Ursula hat ihn vor der Einsamkeit bewahrt. Nun will Lehmann ein guter und großzügiger Mensch werden. Doch das Schicksal kümmert sich nicht um solche Sinneswandlungen.

„Niemand“ ist Horváths jüngst veröffentlichtes Theaterstück. Bisher war es in Privatbesitz und schien in den Werkverzeichnissen nicht auf. Im Jahr 2015 hat die Wienbibliothek das Werk erstanden und veröffentlicht. Nach dem Theater in der Josefstadt und dem Landestheater Linz zeigt das Schauspielhaus Salzburg das lange verschollene Horváth-Stück. Der Text aus dem Jahr 1924 gehört zu seinem Frühwerk, bereits damals bearbeitete er seine späteren Hauptthemen, doch hier unterfüttert mit einer surrealen und phantastischen Ebene.

Besetzung:
Klein Jonas Breitstadt
Gilda Susanne Wende
Ursula Kristina Kahlert
Hausmeisterin Daniela Enzi
Fürchtegott Lehmann Theo Helm
1. schwarz gekleideter Mann, Schreinermeister, Uralter Stutzer Olaf Salzer
2. Mann, Malermeister, 2. Detektiv, Betrunkener Frederic Soltow
3. schwarz gekleideter Mann, Glasermeister, 1. Detektiv Lukas Bischof
4. schwarz gekleideter Mann, Fremder (Kaspar) Simon Jaritz
Konditor, Der große Wirt Marcus Marotte
Wladimir Bülent Özdil
Kellnerin Juliane Schwabe
Die Nachfolgerin, Backfisch Agnes Herrlein
uralte Jungfrau Julia Gschnitzer

Regie Rudolf Frey
Bühne Vincent Mesnaritsch
Kostüme Elke Gattinger
Licht Marcel Busa
Dramaturgie Christoph Batscheider


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