Literatur

Peter Waterhouse - (Krieg und Welt)


Die im Jahr 2006 erschienene 670-seitige Prosakomposition (Krieg und Welt) des in Wien lebenden Schriftstellers Peter Waterhouse zählt zu den Solitären der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Schon die Einsicht, dieses Buch weder als Roman noch als Essay oder Epos und Gedicht, weder als sprachphilosophische Abhandlung noch als Biographie oder Kriegs- und Geheimdienstgeschichte klassifizieren zu können, ohne eine grobe und offensichtliche Verfälschung vorzunehmen, mag für eine – auch ob ihres immer enger gezogenen Entfaltungsraums – schlagwortwütig gewordene Literaturkritik unakzeptabel erscheinen. Ja, Elemente von all diesen genannten literarischen Genres sind in (Krieg und Welt) zu erkennen, zudem die Bezugnahme auf Tolstois Krieg und Frieden in Titel und einem seiner zentralen Motive, dem auf das eigene Selbst gerichteten Lebensanspruch die Möglichkeiten uneigennütziger Liebe entgegenzustellen, dennoch ist Waterhouses Werk eben nicht auf einen eindeutigen und ausschließenden Begriff zu bringen. Darin besteht nämlich seine sprachphilosophische und ideengeschichtliche Pointe, den statischen und erstarrten Begriffen den Kampf anzusagen. Die Notwendigkeiten dieser Kampfansage werden sowohl auf epische und poetische Weise dargestellt als auch mit analytischen Überlegungen und entschiedenen Setzungen begründet. Damit ist (Krieg und Welt) keinesfalls ein Buch der geschlossenen Welterklärung, vielmehr erweist es sich als Elementarbuch, als Buch der Fragen und als eines der Ent-Deckung der Fragwürdigkeit bestimmender Aussagen über die Welt. Deshalb widmet die als Berta-Karlik-Professorin am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Wien lehrende Literaturwissenschaftlerin Christine Ivanovic zusammen mit der Alten Schmiede diesem literarischen Solitär, zehn Jahre nach seinem Erscheinen, ein referatloses Neues Wiener Colloquium, das in mehreren Gesprächsrunden seine Substanz und seinen Referenzrahmen erkunden wird. An diesem Colloquium nehmen teil: Christine Ivanovic, Germanistin, Slavistin, Komparatistin; Forschungsschwerpunkte: west-östlicher Kulturtransfer, translationale Literatur, Entwicklung von Verfahren für eine digitale Komparatistik.

Zuletzt erschien u.a.: Die Entsetzungen des Josef Winkler (Dokumentation des gleichnamigen Symposiums in der Alten Schmiede 2013; hg. mit Alexandra Millner, 2014). Peter Waterhouse, *1956 in Berlin, Studium in Wien und Los Angeles, lebt als Autor und Übersetzer (u.a. von Andrea Zanzotto, Michael Hamburger, Gerard Manley Hopkins) in Wien. Gründung der Wolfenbütteler Übersetzergespräche, Mitglied des Österreichischen Kunstsenats. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. Österreichischer Staatspreis für literarische Übersetzung (2002), H.C. Artmann-Preis (2004), Erich-Fried-Preis (2007), Ernst-Jandl-Preis (2011), Großer Österreichischer Staatspreis (2012). Bücher (Auswahl): Menz. Gedichte (1984); Besitzlosigkeit Verzögerung Schweigen Anarchie. Erzählungen (1986); passim. Gedichte (1986); Das Klarfeld. Gedicht (1988); Verloren ohne Rettung (1993); E 71. Mitschrift aus Bihac und Krajina (1996); Die Geheimnislosigkeit. Ein Spazier- und Lesebuch (1996); Prosperos Land (2001); Von herbstlicher Stille umgeben wird ein Stück gespielt (2003); Die Nicht-Anschauung. Versuche über die Dichtung von Michael Hamburger (2005); (Krieg und Welt) (2006); Der Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum (2010).


Vergangene Termine