Literatur

Peter Waterhouse - Die Auswandernden


Peter Waterhouse hat seine neue große Erzählung Die Auswandernden parallel zu und verschränkt mit den Farbzeichnungen der Künstlerin Nanne Meyer entwickelt. Kennzeichnend für sein einzigartiges herum- und abschweifendes Erzählverfahren ist der Leitbegriff »Richtungslosigkeit«. Doch sowohl Meyers Zeichnungen, die sie ihm während des Schreibvorganges zukommen lässt, als auch die Flucht, die »Media«, die Hauptfigur der Erzählung, mit ihrer Tochter von einem Land am Kaukasus nach Österreich führt, geben Richtungen vor. Hier trifft sie auf die scheinbare Ziellosigkeit und methodische Verfälschung der öffentlichen Sprache und den Erzähler, der jeden Wortgebrauch einer radikalen Untersuchung und eindringlichen Spekulation seiner Absichten unterwirft.

Dabei begleitet er Media unerschrocken durch die Abgründe des Asylverfahrens mit absurd anmutenden Einvernahmen, Protokollen und Bescheiden, kafkaesken Ämtern und Gerichten, die dazu anleiten, die Sprache, die angeblich erlernt werden soll, zu verlernen. Immer wieder hin zur Gedenktafel an ein nicht gelungenes und doch verübtes Verbrechen im großstädtischen Einsiedlerpark, den Ausgangspunkt des Buches, zu Stifters Erzählung Turmalin, zum Märchen aus Goethes Novellenzyklus Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten und Dickensʼ Romanen, und so fort führt die Spur der Erzählung hin zu den Stationen von Medias Auswanderung.

Peter Waterhouse, *1956 in Berlin, lebt in Wien. Er verfasst Lyrik, Essays, Erzählungen, Theaterstücke und Romane; daneben übersetzt er aus dem Englischen und Italienischen; Mitbegründer der Übersetzungs- und Forschungsplattform VERSATORIUM. H. C. Artmann-Preis (2004), Erich-Fried-Preis (2007), Ernst-Jandl-Preis (2011), Großer Österreichischer Staatspreis (2012). Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt u.a.: (Krieg und Welt) (2006); Honigverkäufer im Palastgarten und das Auditorium Maximum (2010); Der Fink. Einführung in das Federlesen (2016).


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