Klassik

Neue Vocalsolisten Stuttgart - Mediterrane Stimmen


Zweifel werden immer bestehen, ob es in einer transkulturellen Welt wie der mediterranen jemals zu einer konfliktfreien, gesamtfriedlichen Situation kommen kann. Drei Weltreligionen haben ihre Geburtsstätte im Mittelmeerraum, der mit drei Kontinenten und einer Vielzahl an Kulturen und Traditionen verbunden ist.

Der Mythos von der ersten Demokratie der Welt lebt in diesem Raum und wird von aktuellen Diktaturen übertüncht. Wieder und wieder werden auch Grenzen gezogen, Völkerwanderungen eingedämmt, Bruderkriege geführt. Tausende Menschen lassen auf dem Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft im Mittelmeer ihr Leben. Die Ausgangslage für das Projekt „Mediterranean Voices“ der Neuen Vocalsolisten Stuttgart könnte nicht dramatischer sein. Sie wagen eine Interpretation des Mittelmeerraumes aus der Sicht von KünstlerInnen, die alle in einem Mittelmeerland beheimatet oder verwurzelt sind. Der libanesische Komponist Zad Moultaka schuf ein vokales Drama aus der Form des Zagal, Wortgefechten, wie sie in verschiedenen orientalisch-mediterranen Ländern geführt werden, und thematisiert damit das von Christen und Juden verübte Massaker von Sabra und Schatila in Beirut. Die Griechin Marianthi Papalexandri-Alexandri bringt die Manipulation der Menschlichkeit durch Motoren und andere künstliche Objekte zum Klingen.

Hoffnung auf ein friedliches Miteinander kommt am Beginn der Komposition des Ägypters Amr Okba auf: Ra, Osiris, Amun, Aten, Isis, Serapis, Yehowa, El Shaddai, Gott, Adonai, Allah bilden
ein friedliches Nebeneinander ägyptischer, jüdischer, christlicher und islamischer Religionen. Samir Odeh-Tamimi, als Palästinenser in Israel geboren, schöpft in „Jarich“ (Jericho und Mondgott)
aus dem Gestus arabischer und besonders sufistischer Musik, komponierte aber dennoch eine Musik westlicher Prägung über die vielleicht älteste Stadt der Welt. Oder der in der jüdischen
Diaspora verwurzelte Dániel Péter Biró gewann die tonale Struktur seines Stückes über den Mythos vom Turmbau zu Babel aus der Begegnung mit jüdischen und islamischen Rezitationstraditionen bei einem Besuch in der tunesischen Gemeinde Djerba.

Programm:

Videoinstallation ab 17:00 geöffnet/
18:00 Lesung & Podiumsdiskussion/
19:30 Konzert:

Zeitgenössische Kompositionen aus dem und über den Mittelmeerraum von Mark Andre,
Marianthi Papalexandri-Alexandri,, Dániel Péter Biró , Amr Okba, Zad Moultaka, Samir Odeh-
Tamimi

Ausschnitte aus der Videodokumentation „12 Komponisten“ von Daniel Kötter
Podiumsdiskussion/Lesung (in Kooperation mit Elit Literaturhaus Europa)
„Der eifersüchtige Gott“ mit Michael Roes (Autor Berlin), Rachid Boutayed (Philosoph
Marokko/Berlin), Samir Odeh-Tamimi (Komponist Palestina, Berlin)


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