Neue Klassik · Film

Neue Musik im Spielfilm VI


Eine Summe von Godards Kinoarbeit – und ein Neubeginn, erfüllt von bislang unbekannter Ruhe und rhythmischer Anmut.

Am Beginn Godards Stimme: «Aber ich wollte doch eine Geschichte erzählen.» Was der Film verweigert wie auch erfüllt. Denn er erzählt nicht eine, sondern zwei Geschichten, vielmehr eine Geschichte zweimal. Wie Alain Delon, 55-jähriger Mann mit dem Gesicht einer Nō-Maske, das einmal erloschen, dann besessen scheint, als zielloser Kapitalist von einer Schönen mit dem Auto fast aus dem Leben befördert, aufgegriffen und im goldenen Käfig zum gefügigen Geliebten gemacht wird; und wie er nach seinem Tod, vielleicht als sein eigener Doppelgänger, wiederkehrt, diesmal als brutaler, hinreißender Macher, der die Rollen umkehrt und die Frau in eine lebende Tote verwandelt. Film als Landschaft polyphoner Brechungen: zwischen Sprachmusik und Stille, Musikmosaiken und rätselhaft autonomen Bildern. Fremd und beunruhigend schön, wie ein Meteorit von einer anderen Kinogalaxie. (Harry Tomicek)

Programm:

Film «Nouvelle Vague» (Regie, Musikzusammenstellung: Jean-Luc Godard, F/CH 1990)

Musik: Paul Hindemith, Heinz Holliger, Meredith Monk, Werner Pirchner, Arnold Schönberg u. a.


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