Theater

Mythos Meidling


Bis heute steht Meidling für ein anderes, ein härteres und raueres Wien, dem am Eröffnungswochenende zum Beginn der neuen Spielzeit nachgegangen werden soll.

Stadt ist Lebensraum für Menschen, Stadt ist Gesellschaft, Stadt ist in jüngster Zeit immer öfter auch Beute - und Stadt ist historisches Archiv, umso mehr in Wien, wo jeder Quadratmeter eine mehrhundertjährige Geschichte zu haben scheint. Dies gilt keinesfalls nur für die Bezirke innerhalb des Gürtels sondern gleichermaßen für den 12. Gemeindebezirk Meidling, der sich in den vergangenen 100 Jahren aus einigen landwirtschaftlich geprägten Dörfern erst zu einem von Fabriken dominierten Arbeiterstadtteil und später zum heutigen Wohnbezirk gewandelt hat.

Doch die Geschichte, die Meidling geprägt hat, unterscheidet sich maßgeblich von den dominanten Wien-Klischees, denn anders als die innerstädtische Bezirken ist die Historie des „Zwölften“ weniger mit dem Glanz der alten Donaumonarchie als mit dem Aufstieg des industriellen Kapitalismus verbunden. Im Unterschied zur herausgeputzten Innenstadt ist Meidling daher bis heute weniger geprägt vom Distinktionswillen des Bürgertums als von der Kultur der kleinen Leute, dem Leben der Kleinbürger und Arbeiter.

Während das Bürgertum das gute Leben in den innerstädtischen Kaffeehäusern genoss, kämpften die „Arbeiter von Wien“ in den Fabriken von Meidling um ihre Rechte – und zuweilen auch um ihr schieres Überleben. Während sich die Wiener Gesellschaft in der Staatsoper amüsierte, traf sich Meidling im „Vergnügungs-Etablissement Tivoli“. Und während in der Hofburg Weltpolitik gemacht wurde, recherchierte in Meidling der Genosse Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, später besser bekannt als Stalin, wie ein multiethnisches Riesenreich wie Österreich-Ungarn zusammenzuhalten sei.

Verschiedene AutorInnen wurden gebeten, sich in Kurzstücken diesem „Mythos Meidling“ zu nähern. Die Ergebnisse werden wir am Eröffnungswochenende in kleinen Inszenierungen präsentieren.

Nach Meidling! Nach Meidling!

8 Uraufführungen / 8 RegisseurInnen / 32 DarstellerInnen


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