Klassik

Ensemble Polyharmonique: Musicalische Seelenlust


Als Tobias Michael im Jahre 1630 seinem ehemaligen Kommilitonen Johann Hermann Schein im Leipziger Thomaskantorat, dem zur damaligen Zeit wohl begehrtesten und bedeutendsten musikalischen Amt Deutschlands, nachfolgt, sind Schrecken und Grauen des Dreißigjährigen Krieges allgegenwärtig. Nach der Schlacht von Breitenfeld im September 1631 verschlimmerte sich die Situation abermals und Leipzig stand oft im Brennpunkt des Geschehens. Verwüstung, Hunger und wechselnde Besatzung der Stadt durch kaiserliche und schwedische Truppen währten gar bis 1650, obwohl der Krieg offiziell bereits mit dem Westfälischen Frieden von 1648 als beendet galt.

Dennoch kommt es in Michaels Amtszeit zu einem Aufblühen des musikalischen Lebens in der Thomaskirche. Selbst der damalige Dresdener Hofkapellmeister Heinrich Schütz wandte sich wiederholt an den Thomaskantor, um sich bei Michael Sänger für besondere Anlässe auszuleihen. Schütz‘ Begeisterung für Michaels Arbeit ging sogar so weit, dass er der Stadt Leipzig, dem Thomanerchor und dessen Kantor den ersten Teil seiner Geistlichen Chormusik (1648) widmete.

Tobias Michaels musikalisches Vermächtnis liegt uns – abgesehen von wenigen gedruckten und handschriftlich überlieferten Werken – in Form seiner 1635 beziehungsweise 1637 in zwei Teilen veröffentlichten Sammlung Musicalische Seelenlust vor. Deren erster Teil, der im Mittelpunkt dieses Konzertes stehen wird, umfasst 30 geistliche Madrigale und kann durchaus als Schwesterwerk der 1623 erschienenen Sammlung Israelis Brünnlein seines Amtsvorgängers Johann Hermann Schein bezeichnet werden, finden sich darin doch viele Gemeinsamkeiten: Vertont sind jeweils biblische Texte für fünf Stimmen und Basso continuo, auch sind die Stücke beider Sammlungen auf eine sonderbar Anmutige Italian Madrigalische Manier komponiert.

Mittels ergreifender Solo- und Ensemblesätzen gelingt Tobias Michael in der Musicalischen Seelenlust die Verquickung von Wort und Harmonie zu einer barocken Klangsprache von größter Ausdruckskraft, die uns auch Jahrhunderte nach Veröffentlichung der Sammlung zu überwältigen vermag.

Ensemble Polyharmonique
Magdalene Harer, Joowon Chung – Sopran
Vincent Lesage – Tenor
Matthias Lutze – Bass
Klaus Eichhorn – Orgel
Juliane Laake – Viola da gamba
Magnus Andersson – Laute
Alexander Schneider – Altus & Leitung


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