Theater

Mount Olympus. To Glorify the Cult of Tragedy


Jan Fabres Mount Olympus ist das Theaterereignis der Superlative. Es zeigt, was Avantgarde wirklich ist: kein Zuschau-Experiment, sondern eine Überprüfung der Halbwertszeiten ideologischer Dogmen und künstlerischer Klischees.

So ist sie, die schöne Antike. 24 Stunden Herkules-Heldentaten im Travestiestil, Wildheit, Inzest, Kinds- und Muttermord, Tier- und Menschenopfer – keine Spur von göttlichem Heroismus, der ist hier nur Schein. Unaufhörlich umkreisen die Performer im Grand jeté immer neue Opfer altgriechischer Schlachten.

Mount Olympus, das ist auch eine Paraphrase auf Paradise now des berühmten Living Theatre. Jan Fabre streckt die Hand nicht nur der Avantgarde der 1960er entgegen, die Freiheit einforderte. Er geht weiter und zeigt, was passiert, wenn die Menschen von der Idee unbegrenzter Freiheit ergriffen werden. Seine Performance ist dauerhafter Umbruch: Aus Toleranz wird Intoleranz, Machismus wird zu Feminismus, politische Korrektheit zu Fremdenfeindlichkeit. Eine totale Revolution, die alle Fesseln sprengt, neue Klischees, »benutzerfreundliche« Systeme, Slogans und Parolen hinter sich lässt. Jan Fabres grandiose Antiutopie, ein Schlachtfest mit Schlaf, Speis und Trank, ist eines der utopischsten Projekte.


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