Theater

Morsch


Was verbindet einen Fluchtversuch aus einem Foltergefängnis, ein Nachkriegsabendessen, eine akademische Fernsehrunde, Halbwüchsige am Spielplatz oder das Warten auf eine Hinrichtung, die alle in unterschiedlichen Zeiten stattfinden? Eine Erzählung ist es, mit der alle Figuren ganz unterschiedlich in Berührung kommen. Es lässt sich keine Position finden, aus der die Geschichte des Häftling Maier ihre endgültige Wahrheit besitzt, die Zeit verwischt und verzerrt die Spuren, doch selbst die Augenzeugen begreifen sie nur brüchig...

Die fünf Erzählstränge in MORSCH sind thematisch miteinander verbunden und kreisen um eine historische Katastrophe in einer fiktiven Welt; jede Generation hat einen jeweils anderen Zugang zur Geschichte. Die Episoden werden nicht nacheinander erzählt, sondern ineinander verwoben und gegeneinander ausgespielt; Erwartungen werden unterwandert, das Gesamtbild ändert sich immer wieder. Es werden auf tragikomische Weise Fragen verhandelt wie gesellschaftliche Verdrängung, unvermeidbares Vergessen, Geschichtsvermittlung und die mögliche Wiederkehr vergangen geglaubter politischer Muster.

Die letzten Zeugen sterben aus, in Auschwitz werden Selfies geschossen, und sinnlose Massaker werden auf der ganzen Welt immer wieder verübt, die bald darauf schöngeredet oder ignoriert werden. Wird alles schlimmer, oder finden sich neue Wege, alte Fehler nicht zu wiederholen?

Jérôme Junod ist Magister der Philosophie und der Geschichte, hat Klavier studiert und seine Regieausbildung am Max Reinhardt Seminar erhalten. Er inszeniert auf Deutsch und Französisch in der Schweiz, Deutschland, Luxemburg und Österreich. Arbeiten in Wien: Gesäubert (WUK 2007), Dantons Tod (WUK 2009), Man muss dankbar sein (Theater in der Josefstadt 2010), Carrie (Salon5 2010), Postdemokratische Variationen (Salon5 2013), Angelika und die Weltherrschaft (Dschungel Wien 2014), Herr Grillparzer... (Salon5 2015). Außerdem unterrichtet Junod am Max Reinhardt Seminar sowie an der Haute Ecole de Théâtre de Suisse Romande in Lausanne.

Junod ist dazu Autor und Übersetzer. Sein erstes Stück, Text, wurde nominiert zum Heidelberger Stückemarkt 2011 (UA 2012 am Theater Erlangen). 2011 hat er ein Jahresstipendium von der literar mechana erhalten. An MORSCH feilt er seit drei Jahren. Das Stück wurde u.A. im Rahmen der Autorengruppe des Festivals Neue Stücke aus Europa in Wiesbaden unter der Leitung Martin Heckmanns erarbeitet.

11., 13., 17., 18., 21., 22., 24., 26., 27., 29.05.2016
20:00 Uhr

Eine Produktion von der Gesellschaft für Musische Unterhaltung und Salon5, in Kooperation mit dem Theater Nestroyhof Hamakom

Mit: Saskia Klar, Jan Nikolaus Cerha und Martin Schwanda

Inszenierung: Jérôme Junod
Bühne & Kostüm: Lydia Hofmann
Musik: Christian Mair
Assistenz: Fanny Stapf


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