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Theater

Monster Truck & Theater Thikwa - Dschingis Khan


Die Tendenz der westlichen Welt, ihr eigenes Normensystem, ihre eigene Ästhetik auf das gefürchtete und unterjochte Fremde zu projizieren, hat eine lange Tradition. Dass Exotismus keinesfalls ein harmloses ästhetisches Spiel ist, sondern Ausdruck von Rassismus, wird in der Performance „Dschingis Khan“ des deutschen Kollektivs Monster Truck ebenso deutlich, wie die Tatsache, dass Rassismus und Behindertenfeindlichkeit ihre gemeinsamen Wurzeln in denselben Untiefen unseres Denkens haben. Monster Truck arbeiten seit Jahren mit SchauspielerInnen des Theater Thikwa zusammen, das sich „Der Geist lässt sich nicht behindern“ auf ihre Fahnen geschrieben hat. Menschen mit Down-Syndrom, einst wegen ihres Aussehens „mongoloid“ genannt, zeigen uns den Alltag der Mongolen. Die radikale Umwertung von Norm und Nicht-Norm wird dadurch noch extremer aufgeladen, dass Monster Truck uns ein Spiel vorführen: genaue Anweisungen zu den Bühnenhandlungen, Lob und Tadel für die Bühnenleistung in Echtzeit kratzen zusätzlich am System unserer neoliberalen Leistungsgesellschaft wie am System Theater an sich. Und es stellt sich die entscheidende Frage: Dreht sich der Spieß um? Wer spielt mit wem?

In schwere Felljacken gehüllt sollen die PerformerInnen ihre vermeintliche Authentizität und Wildheit zur Schau stellen. Sie bekommen Handlungsanweisungen und werden zu Tableaus arrangiert. Ausgeleuchtet und mit Sound unterlegt werden sie auch noch in ihren banalsten Verrichtungen mit tieferer Bedeutung aufgeladen. Die Maschinerie des Theaters läuft auf Hochtouren, um das größtmögliche Andere zu produzieren. Ein Anderes, in das wir unsere Ängste und Sehnsüchte auslagern können, und das wir wahlweise bemitleiden, fürchten, begehren oder verklären können. Dschingis Khan, der mächtigste Herrscher aller Zeiten, erscheint degradiert zu einer billigen Kirmesattraktion, in der sich Vorstellungen von fremdländischer Exotik mit landläufigen Ideen von geistiger Behinderung vermischen.

Von und mit: Sabrina Braemer, Jonny Chambilla, Manuel Gerst, Sahar Rahimi, Oliver Rincke, Mark Schröppel, Ina Vera
Dramaturgie: Marcel Bugiel
Musik: Mark Schröppel
Produktionsleitung: Ehrliche Arbeit – Freies Kulturbüro Künstlerische Mitarbeit: Alisa Hecke, Matthias Meppelink


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