Theater

Monsieur Claude und seine Töchter


Ein Multi-Kulti-Familienchaos im Waldviertel: Die Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" nach dem gleichnamigen französischen Film ist der Sommertipp auf der Rosenburg.

Der französische Film aus dem Jahr 2014 behandelt Themen, die nach wie vor aktueller denn je sind: das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen, Vorurteile sowie Toleranz. Dass man diese abseits greller Schlagzeilen auch mit einer großen Portion Humor behandeln kann, beweisen Intendantin Nina Blum und Regisseur Marcus Ganser mit Nicolas Chamforts Komödien-Klassiker ‚Monsieur Claude und seine Töchter’.

Die Komödie nach dem gleichnamigen Film von Philippe de Chauveron und Guy Laurent wird aktuell in der Bühnenadaption von Stefan Zimmermann auf der Rundbühne vor der Rosenburg gezeigt - und ist definitiv eine Empfehlung für einen unterhaltsamen Sommerabend.

Liebe, Vorurteile und Familienbande

Zum Inhalt: Claude und Marie Verneuil – ein gut situiertes, älteres Ehepaar aus der Mittelklasse – führen ein beschauliches Kleinstadt-Leben zwischen katholischer Kirche und Coq au vin. Sie halten sich für weltoffen und tolerant, in Wahrheit sind sie aber sehr konservativ. Ihr ganzer Stolz sind ihre vier schönen Töchter. Doch etwas trübt die Freude – ausgerechnet ihre drei Schwiegersöhne: ein Chinese, ein Araber und ein Jude. Ein hartes Schicksal für Madame und Monsieur, die christliche Trauungen und Traditionen schmerzlich vermissen. Mit gramgebeugtem Fatalismus haben die beiden die unliebsamen Entwicklungen bislang hingenommen. Nun ruht alle Hoffnung für eine kirchliche Hochzeit auf der jüngsten Tochter. Diese hat gerade – Hallelujah! – einen Katholiken kennengelernt. Doch mit so einem Schwiegersohn hätten die lieben Eltern nun wirklich nicht gerechtnet ...

"Monsieur Claude und seine Töchter" lässt die Gegensätze aufeinanderprallen: Bourgeoisie und Banlieu, Paris und Provinz, das traditionelle und moderne Frankreich, Schwarz und Weiß. Gekonnt verbindet das Ensemble die Ernsthaftigkeit der Thematik mit einer großen Portion Schmäh - selbst die tierische Einlage mit Bühnenhund (lassen Sie sich überraschen!) gelingt und amüsiert mit Bravour. Das Spiel auf der offenen 360-Grad-Bühne wird von den Darstellern mithilfe des raffinierten Puzzle-Bühnenbildes flüssig gemeistert - zwar ist es anfangs vielleicht ein wenig ungewohnt, aber das Geschehen vor den Augen der Zuschauer gerät dadurch auch nie in Stillstand.

Florentin Groll als brummiger Monsieur Claude, der im Laufe der Geschichte immer mehr auftaut, ist ein Charakter, mit dem man schnell mitfühlen (und mitleiden) kann, auch wenn man seine (anfänglichen) Ansichten nicht teilt. Aber gerade das bewusst Menschliche bleibt den Dialogen erhalten - das gelegentliche Hickhack mit Gattin Marie (großartig: Babett Arens!), die einen weiten Weg von der Depression zur Selbstfindung und persönlichen neuen Toleranz macht, würzt das Ganze umso mehr. Und wenn gar nichts mehr geht, hilft immer noch Zumba!

Komödie der Gegensätze

Während das Töchtergespannt mitunter ein wenig zu ernst daherkommt, hat das Trio (und spätere Quartett) der sehr unterschiedlichen Schwiegersöhne die Lacher auf seiner Seite: Wenn Morteza Tavakoli, Alexander El Dib und Vincent Bueno in den kulturellen Testosteronkampf schlittern, bleibt kein Auge trocken. Schwager in spe Tino Führer gibt schließlich seinen Senf dazu - aber keine Sorge, alles endet noch im gegenseitigen Wohlwollen, schließlich soll am Ende die Liebe über den Familien- und Generationen-Wahnsinn triumphieren.

"Monsieur Claude und seine Töchter" auf der Rosenburg ist eine sommerliche Komödie, die das Überwinden von kulturellen Gegensätzen und Fremdenangst im familiären Alltag beleuchtet, ohne dabei allzu sehr in die Tiefe zu gehen. Natürlich fliegen da auch die Klischees über die Bühne - aber schließlich soll der Humor an erster Stelle stehen. Wer also einen Abend der Unterhaltung sucht, wird hier sicherlich nicht enttäuscht. Und das Ambiente der Rosenburg alleine ist schon einen Ausflug wert - warum also nicht gleich mit einem Theaterbesuch verbinden? Das sympathische Ensemble tut dafür sein Übriges.

Darsteller & Rollen:

o Florentin Groll: Claude Verneuil
o Babett Arens: Marie Verneuil:
o Angelika Niedetzky: Isabelle Verneuil
o Constanze Passin: Michelle (Ségolène) Verneuil:
o Andriana Zartl: Adèle (Odile) Verneuil
o Tanja Raunig: Laura (Laure) Verneuil
o Morteza Tavakoli: Abderazak Benassem
o Alexander El Dib: Abraham Bénichon
o Vincent Bueno: Chao Ling
o Tino Führer: Charles Koffi
o Félix Kama: André Koffi
o Adisat Semenitsch: Madeleine Koffi
o Wolfgang Lesky: Rabbi , Pfarrer, Xavier, Psychologe und Polizist

Team:
o Nina Blum: Intendanz und künstlerische Leitung
o Marcus Ganser: Regie und Bühnenbild
o Helmut Kulhanek: Produktion und kaufmännische Leitung
o Agnes Hamvas: Kostüm
o Helmut Fixl: Maske

(events.at/Amina Beganovic)


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