Pop / Rock

Moderat


Moderat sind Modeselektor und Apparat. Kaum jemand hat elektronische Musik aus Berlin mit so viel Enthusiasmus und Leidenschaft in die letzten Ecken des Planeten gebracht wie diese beiden Schwergewichte.

Modeselektor - Gernot Bronsert und Sebastian Szary - sind Helden der Bassmusik. Mit einem Heer an Kollaborationspartnern, Gastmusikern und ihren beiden Labels Monkeytown und 50 Weapons haben sie ein weitverzweigtes Netzwerk erschaffen. Sie verarbeiten die kleinsten Erschütterungen im globalen Bass-Kontinuum und dennoch sind ihre wobbelnden Salven und ihr schräger Humor unverwechselbar. In der Szene wurden sie durch ihre Platten auf BPitch Control bekannt, mit dem sie sich aus dem Berliner Vier- Viertel-Kosmos raus sprengten, aber den rohen, kompromisslosen Spirit der Berliner Clubszene der Neunziger doch immer mitdachten.

Apparat (bürgerlich: Sascha Ring) könnte kaum entgegengesetzter sein. Er verschmilzt vertrackte Elektronik mit innigem, verheißungsvollem Pop. Mit T.Raumschmiere gründete er Shitkatapult. Früh erkannte Apparat, dass der Longplayer seine Ausdrucksform ist. Mit jedem Album erfand er sich persönlich, stilistisch und sozial neu: Er förderte andere Schichten seines Gefühlslebens zu Tage, erkundete ungekannte Musikrichtungen und bezog fremde Musiker mit ein. 2002 trafen Sascha, Gernot und Sebastian zum ersten Mal aufeinander. Zu dieser Zeit waren Apparat und Modeselektor feste Größen in der Berliner Szene. Sascha hatte gerade sein Debutalbum veröffentlicht, Gernot und Sebastian eine Reihe von Maxis. Die gemeinsame Zeit im Studio ging bei allen so sehr an die Substanz, dass sie das Projekt bald wieder einstellen mussten. Aber der Grundstein war gelegt, und ein Ergebnis hatten die drei auch vorzuweisen: Die „Auf Kosten der Gesundheit EP." Auch elf Jahre später spürt man die Funken, die im Studio geflogen sein müssen: Vertrackte Beats ringen mit wütenden Bässen und unterdrückten Raps.

Sechs Jahre vergingen bis man wieder zusammen kam. Mittlerweile hatten beide Acts sensationelle Karrieren hingelegt. Modeselektor erstes Album „Hello, Mom!“ machte sie 2005 blitzschnell international bekannt. Pitchfork jubelte, Thom Yorke hörte nicht mehr auf, von ihnen zu reden. Auf ihrem zweites Album sangen Otto von Schirach, Maximo Park und - Thom Yorke. Modeselektor nahmen die Festivalbühnen im Sturm, wurden von Beatport und Resident Advisor ausgezeichnet.

Apparat hatte gleich zwei Durchbruchsalben: Mit Ellen Allien gründete er 2006 das „Orchestra of Bubbles“, auf dem beide die Song-Sprache erkundeten. 2007 veröffentlichte er „Walls“, bei dem er zum ersten Mal mit einer Band zusammen arbeitete. Er entwickelte eine einzigartige Live Show, die elektronische und akustische, Club- und Popmusik verschmolz. Wie Modeselektor ist Apparat durch und durch Berlin und hebt die Sounds der Stadt doch auf eine andere Ebene. Bezeichnenderweise tourten beide Acts mit Radiohead. 2008 kamen Gernot, Sebastian und Sascha wieder zusammen, ihr selbstbetiteltes Debutalbum erschien am 20. April 2009. Der kalifornische Rapper Busdriver, die deutschen Reggae-Helden Seeed und der Dub-Poet Paul St. Hilaire stießen für einzelne Songs dazu. Vielleicht besteht das Geheimnis der Zusammenarbeit von Apparat und Modeselektor darin, dass sie gar nicht versuchten, sich einander anzunähern. Modeselektors erbarmungsloses Bass-Gedonner rumort im Keller, Apparats sensible, feinsinnige Melodien schweben in den Wipfeln. Dass gerade das vermeintlich unvereinbare miteinander kommuniziert, macht Moderat so einzigartig.

Moderat blieb kein Studioprojekt: Das Trio tourte mit einer eigenes für diese Konzerte gestalteten Visuals der Pfandfinderei durch sämtliche fünf Kontinente. Modeselektor erschufen mit Monkeytown und 50 Weapons ein hochpotentes Label- Imperium, das alte Helden der Szene und überdrehte Bass-Kids zusammen bringt. Die beiden kuratierten mehrmals eine ganze Bühne beim Melt! Festival und veröffentlichten ihr bahnbrechendes drittes Album. Apparat zog mit der neu gegründeten Apparat-Band durch die Welt. Er gab zum ersten Mal seine Autorenposition auf, indem er Teil einer Theaterinszenierung wurde und beim zugehörigen Album die rohen, weitgehend unbearbeiteten Sessions veröffentlichte.

Jetzt, zwölf Jahre nach ihrer ersten Begegnung sind Modeselektor und Apparat wieder zusammen gekommen: Reifer, aber nicht abgeklärter, weiser, aber trotzdem nicht ohne Fragen, erfahrener, aber ohne etwas von ihrem Entdeckergeist eingebüßt zu haben. Wir dürfen gespannt sein, was das Trio diesmal ausgeheckt hat.
moderat.fm


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